talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking

Marilyn Monroe in „Bus Stop“

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Kaum erträglich der Film, und man muss schon Monroe-Fan sein, um ihn durchzustehen. Ich bin das, und als kulturelles Zeugnis für eine bestimmte Art, die Themen Sexualität, Intimität und Gewalt anzugehen, ist der Film sehr interessant. Je mehr Monroe-Filme ich sehe, umso überzeugter bin ich, dass es kein Zufall ist, dass eine Frau die Ikone der 50er Jahre wurde, die als Jugendliche sexueller Gewalt ausgesetzt war.

Wie sie sich in dem Film als kindlich-naives Landei stilisiert ist manchmal schier unerträglich; aber sie hat die ihr eigene Mischung aus Toughness, Street Coolness und Verletzlichkeit auch diesem Film und unsäglichen Drehbuch abgetrotzt. Außerdem behandelt der Film eine interessante Frage: Liebe in Zeiten der Cholera; äh in Nachkriegszeiten, und in einer puritanischen, vom Recht des Stärkeren geprägten Welt, die die USA nun einmal – sind? Waren? Immerhin stellen Film und Happy End eines klar: Das Recht des Stärkeren hat in der Liebe nichts zu suchen.

Soweit so schön (und klischeehaft). Untergründig werden aber durchaus heiße Themen verhandelt: Was tun, wenn man mit 21 noch keine sexuellen Erfahrungen machen durfte (durfte! Muss ja nicht), weil das laut puritanischem Kodex verboten ist und man ein guter Kerl ist, der sich an die Regeln hält? Was tun, wenn man als Mädchen viel zu früh schon sexuelle Erfahrungen machen musste? Was tun wenn zwei solche aufeinander treffen? Was ja ein ganz realistisches Szenario – ist? Auf jeden Fall in den 50er Jahren war. Denn auch im Film ist Monroe das „gefallene“ Mädchen, das sie auch in Wirklichkeit war (ich benutze bewusst diesen moralisch falsch aufgeladenen, opferfeindlichen Begriff).

Ob Monroe das ins Drehbuch eingebracht hat – die Tiefe des Charakters dieser Filmheldin „Chérie“, bei der schon der Name anzüglich ist – oder ob das schon drin war, wäre eine interessante Frage. Chérie ist eine Überlebende (einer Flut-Katastrophe), mit 14 verheiratet, wohl mit einem Mann, dessen sexuelle Übergriffe so belohnt wurden, und dem sie durch Flucht entkam.

Naturgemäß werden diese Thema nur angerissen. Schließlich handelt es sich bei „Bus Stop“ um eine Komödie. Aber vor allem gegen Ende gibt es ein paar beeindruckende Szenen. Wenn es um den ersten (echten) Kuss geht, und „Chérie“ sagt, das sei eigentlich eine unglaublich ernste und beängstigende Sache. Da kommt durch die Prüderie hindurch ein Wissen um die Macht der Sexualität zum Vorschein. Eines, das sie positiv sieht, nicht der Abwehr dient.

Mit dieser positiven Erfahrung und der Lektion KEINE GEWALT werden die Protagonisten samt ihrer Altlasten in eine frühe Ehe entlassen. Vielleicht reicht das ja. Immerhin rettet die Bindungskraft einer positive besetzten Sexualität unsere Zivilisationen schon seit Jahrtausenden vor Verrohung und Fundamentalismus (unter anderen positiven Faktoren).

Vermutlich ist der Film eigentlich total fortschrittlich, für die damaligen Verhältnisse. Schließlich wendet er sich sogar gegen die Konventionen: Auch ein „gefallenes Mädchen“, und ein völlig unerfahrener (also unter geltenden Normen „unmännlicher“ Mann) sind liebenswert, und zwar so wie sie sind.

Wer hätte das gedacht. Wenn ich das hier nicht geschrieben hätte, hätte ich das kaum bemerkt.

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