talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking

Philosophie der sexuellen Gewalt (1)

Ein Kommentar

Sie hat einen Zweck, vielleicht sogar einen Sinn. Die Frage ist wichtig, weil wir ja alle eine Welt ohne sexuelle Gewalt wollen (jedenfalls wer auf diesem Blog schreibt oder liest). Sexuelle Gewalt gehört zu den allermeisten menschlichen Zivilisationen, und ich behaupte, dass sie nicht bloß das Ergebnis scheußlich verlaufener Kindheit ist. Sonst wäre das Problem schlicht ein Fall für Psychologen. So wird das ja bei uns auch gehandhabt. Und meist sind es die Opfer, die bei den Psychologen sind, nicht die Täter.

Das Problem: Es sind Millionen von Fällen. Schon in unseren dem Thema gegenüber ein wenig aufgeschlosseneren Gesellschaften. Von Gesellschaften, in denen sexuelle Gewalt offen zur Kultur gehört (also toleriert und kultiviert wird in Form von Kinder- und Zwangsehen, Bestrafung der Opfer), mal ganz zu schweigen. So viele Psychologen gibt es gar nicht.

„Sexuelle Gewalt hat einen Sinn“ lautet meine These. Die ich nicht in einem Post werde darlegen können. 

Sexuelle Gewalt auszuüben stellt eine Form der Existenzbewältigung dar. Das Bedürfnis danach ist ganz gewiss nicht einfach, wie beispielsweise der Sexualwissenschaftler Klaus Beier das darstellen will, „ein Gewächs in Gottes Garten“ der diversen Formen von Sexualität (s. hier; seine These hilft Herrn Beier, Geld durch Verhaltenstherapie mit Tätern zu verdienen):

http://www.tagesspiegel.de/berlin/gespraech-ueber-missbrauch-was-hinderte-die-kirche-den-opfern-zuzuhoeren/3786812.html

Nota bene: Dass ich behaupte, sexuelle Gewalt habe einen Sinn, heißt nicht, dass ich sie gut heiße oder entschuldige, egal was die Umstände sind. Sie hat einen Sinn in destruktiven, lebensfeindlichen Systemen, in Systemen, deren Mitglieder vom Leben so überfordert sind, dass sie es hassen.

Sexuelle Gewalt auszuüben ist ein Akt von Selbsthass, von Hass aufs Menschsein mit all der Bedürftigkeit, die damit verbunden ist, und von Hass aufs Leben, das nur in Gemeinschaft mit anderen zu bewältigen ist.

Akte sexueller Gewalt sind auch eine Bekräftigung der Überzeugung, Leben sei nur durch Gewaltausübung zu bewältigen. Und dieses Leben laufe ab in von Gewalt geprägten und aufrecht erhaltenen Hierarchien. Ganz unten seien die Sklaven, die schon als Kinder durch Gewaltausübung Gebrochenen. Ganz oben der „Endboss“, der die Atombombe zur Verfügung hat, die er bei der kleinsten Kränkung zünden kann. Und dazwischen schaut man, dass man den Frust über das Erlittene durch Austeilen etwas lindern kann und sich in der Hierarchie nach oben arbeitet.

Freude macht das nicht.

Akte sexueller Gewalt sind auch die einzige Droge, bei der die Nebenwirkungen nicht hauptsächlich den Konsumenten, sondern das Opfer treffen. Und: Es ist weitaus ungefährlicher, als mit Heroin oder anderen stofflichen Drogen erwischt zu werden.

Auch das Tolerieren sexueller Gewalt hat einen „Sinn“. Die „Stützen der Gesellschaft“ müssen um jeden Preis welche bleiben, auch wenn sie Kinder konsumieren.

Dies ist der Beginn einer Serie, die ich lockerer Folge publizieren werde.

 

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Ein Kommentar zu “Philosophie der sexuellen Gewalt (1)

  1. Nun, inwieweit sexuelle Gewalt einen Sinn hat, werden Sie uns ja in der Folge erklären. Setze ich Sinn mit Zweck gleich, dann wäre der Zweck einmal, Sex zu haben, und zum anderen, Gewalt ausüben zu können. Sexuelle Verbrechen sind in ihrer Art jedoch zu verschieden, um hierauf eine Antwort mit diesen beiden Einordnungen zu finden.

    Eins ist jedem Sexualverbrechen jedoch gemeinsam, sie werden verübt, weil sie der Täter oder die Täterin verüben kann. Es ist wie mit einer Fundsache, man kann sie abgeben oder gefahrlos für sich behalten. Die meisten, die eine Fundsache einbehalten, sind keine Kleptomanen, sondern ganz normale Menschen. Die meisten, die ein Sexualverbrechen begehen, sind auch keine psychisch Kranke, die sich nicht unter Kontrolle haben, sondern ebenfalls ganz normale Menschen.

    Ich denke auch nicht, dass es eine Systemfrage ist. Andernfalls wäre es nicht möglich, dass in buddhistischen Klöstern sexueller Missbrauch an Kindermönchen alltäglich ist.

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