talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking

Spotlight – ein (amerikanischer) Traum

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Da ist es wieder, wie damals beim Film „Festen“ (bei dem es um Aufarbeitung von familiärem Missbrauch geht). Unsereins geht raus, ein wenig seufzend, und denkt sich wehmütig: „Hach, Gerechtigkeit. Das war jetzt schön“. Während die meisten Zuschauer das Ganze mutmaßlich eher etwas verstörend fanden. Und bestimmt nicht auf die Idee kämen, man könne das alles womöglich fast schon ein wenig kitschig finden. Was ja übrigens auch mal schön ist. Ein bisschen träumen. Wie schön das wäre, wenn wir auch in Deutschland viele, viele solch cooler Journalisten hätten.

Die Realität sieht ja doch ganz, ganz anders aus. Rühmliche Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ich darf Ausschnitte aus meinem Dialog mit einer Redakteurin der „Nürtingen Zeitung“ vor einer Woche zitieren;

ich hatte dort angerufen, um anzuregen, man möge endlich mal berichten, dass es in der zum Verbreitungsgebiet der Zeitung gehörenden Gemeinde Unterboihingen bestätigterweise schwere Übergriffe des Pfarrers gegeben habe, über die die Gemeinde seit Jahren den Mantel des Schweigens breitet (längst verjährt, der Pfarrer auch inzwischen verstorben).

„Aber warum kommen Sie denn jetzt noch?“ war eine Frage. Ich bete mein Mantra runter, dass Aufarbeitung die beste Prävention ist, und es doch wohl nicht angehen kann, wenn die Gemeinde, von der Erzdiözese zu einer Veranstaltung zur Prävention verdonnert, die Odenwaldschule als abschreckendes Beispiel zitiert, während der eigene ehemalige Pfarrer weiterhin mit Bundesverdienstkreuz geehrt auf der Homepage der Gemeinde als ruhmreicher Gründer des Jugendchors gefeiert wird.

Ich sage, dass ich nachvollziehen kann, dass es für viele Menschen in der Gemeinde schlimm wäre zu erfahren, dass der Mann, der sie ihr Leben lang begleitet hat, ein Pädokrimineller ist. Und frage: „Vielleicht ist das ja auch bei Ihnen der Fall?“ „Ja, ich hatte auch mit ihm zu tun“, ist die Antwort.

So sieht’s aus. Wann gibt die endlich mal Ruhe, ist der Grundtenor. Man will es lieber nicht wissen. Bloß nicht. Die Wahrheit wird Euch frei machen? Bloß nicht!

Sieht man nach Regensburg, wo die Story natürlich journalistisch gesehen weitaus ergiebiger ist (Papstbruder und womöglich Ex-Papst involviert!), sah es ja jahrelang auch nicht besser aus. Die örtliche Zeitung war Sprachrohr einer verharmlosenden und vertuschenden Erzdiözese (und kann es auch nicht lassen, das weiter zu betreiben). Bloß gut, dass es noch „Regensburg digital“ gibt.

http://www.regensburg-digital.de/ein-mehltau-von-feigheit/04032016/

Und wie die Betroffenen des Ako kürzlich anmerkten: Es wäre bei uns im Land noch so mancher oskarreifer Stoff zu bergen.

http://www1.wdr.de/nachrichten/rheinland/oskar-und-ako-100.html

Aber zurück zu „Spotlight“: Man kennt zwar die beschriebenen Mechanismen der Verdrängung bestens, aber den Journalisten bei der Arbeit zuzusehen ist schön. Der Film ist nicht allzu aufwühlend; nur in wenigen Szenen besteht Trigger-Gefahr (wenn Übergriffe detaillierter beschrieben werden). Empfehlenswert.

 

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