talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking

Missbrauch durch Frauen

Ein Kommentar

Ja, Frauen sind häufiger Opfer sexueller und physischer Gewalt als Männer; aber nein, sie sind deswegen keine besseren Menschen. Auch Frauen können gewalttätig sein, und Opfer sind nicht an sich die besseren Menschen. Wer keine Chance hat, die ihm oder ihr angetane Gewalt aufzuarbeiten, oder in soziale Strukturen hineinzuwachsen, in denen eine andere Kultur herrscht, wird leicht selbst gewalttätig.

Dass auch Frauen sexuell übergriffig sein können, wird noch sehr wenig thematisiert. Die Tatsache scheint aber allmählich ins öffentliche Bewusstsein vorzudringen. Hier ein aktuelles Beispiel:

http://www.teckbote.de/nachrichten/artikel-kirchheim_artikel,-Die-verdraengte-Gewalt-_arid,97855.html

Es gibt auch Mütter, die ihre Töchter missbrauchen, bzw. ganz allgemein Frauen, die Mädchen missbrauchen.

Was könnte es bedeuten, dass man sich auch diesen Tatsachen stellt?

Die Betrachtung der Machtstrukturen, die zu Gewalt führen, wird komplexer werden. Das Schema: Männlicher Täter hier, weibliches Opfer da, stimmt so nicht. Böse Männer, gute Frauen. Was macht Gewalt mit uns allen, unabhängig vom Geschlecht, oder auch: Je nach Geschlecht? Was tut die Macht-Hierarchie zwischen Männern und Frauen in patriarchalen Gesellschaften BEIDEN Geschlechtern an?

Mama ist die Beste? Nicht immer.

 

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Ein Kommentar zu “Missbrauch durch Frauen

  1. Zu Beginn, den Gedanken mal von einer anderen Seite her aufnehmend, denke ich zunächst an physische und sexualisierte Gewalt in lesbischen Beziehungen. Ich weiß nicht, inwieweit es dazu Studien gibt, doch ich weiß durch Schilderungen vieler lesbischer Frauen, dass beide Formen der Gewalt ein alltägliches Geschehen sind und viele schon einmal derlei Gewalt selbst ausgesetzt waren. – Gewalt auszuüben ist Frauen offensichtlich nicht fremd.

    Allerdings sind weibliche Gewalt und weiblicher sexueller Missbrauch gesellschaftlich tabuisiert. Ja, sie sind nicht einmal Mokita (d.h. von dem jeder weiß, worüber aber niemand spricht); denn das erstaunen ist immer wieder groß, wenn ich diese Problematik in Diskussionen einbringe. Es gab in den 90er Jahren mal einen Ansatz auch aus feministischer Sicht, dieses Thema aufzugreifen, doch es versandete schnell. Darüber wollte man nicht sprechen. Im Donna Vita Verlag erschien 1995 eine Übersetzung des Buches von Michelle Elliot „Frauen als Täterinnen“, dann weiß ich noch von einigen Diskussionspapieren im deutschen Sprachraum, das war es dann auch.
    Dass zum Beispiel in der Frauenkommune in der Oranienburgstraße Mädchen durch Frauen missbraucht wurden, ist nur eine Randbemerkung (S. 84) im Bericht der Berliner Grünen von 2015 zum pädosexuellen Missbrauch innerhalb der AL. Das Thema ist also auch heute noch nicht auf dem Schirm der Politik.

    Als meine PTBS gegen Ende der Nuller-Jahre ausbrach, fand ich im Internet zwei Foren zur sexuellen Gewalt durch Frauen, in denen sich interessanterweise überwiegend von dieser Gewalt betroffene Frauen austauschten. Beide Foren sind seit Jahren schon eingestellt. Mir sind auch keine neu entstandene spezifische Foren zu diesem Thema bekannt.

    Als Erklärung für diese Tabuisierung würde ich eine Wahrnehmungsfalle vermuten, die hier zur Wirkung kommt. Denn das grundsätzliche Frauenbild ist heute, wie vor hundert und zweihundert Jahren verkitscht und romantisiert. In ihm wird die Frau auf das heilende, gütige und liebevolle Wesen reduziert. Man will sich nicht vorstellen, dass Frauen auch gewalttätig und missbräuchlich agieren. Folglich können Mütter übergriffig kuscheln und die Geschlechtsteile ihrer Kinder scheinbar waschend befummeln (die angebliche Phimoseprophylaxe bei Jungen stufte bereits in den 80er Jahren der Sexualforscher Günter Amendt als überwiegend missbräuchlich ein), ohne dass ein Verdacht aufkommt. Die soziale Kontrolle über Väter ist hier weit kritischer und vorurteilsbeladener.
    Hier noch ein Link zu einer Studie über das Missbrauchsverhalten weiblicher Täter.

    Und ganz aktuell ein Link zum Thema häuslicher Gewalt, bei dem ausführlich auf die Ursachen für den blinden Fleck bei der mangelnden Gewaltwahrnehmung durch Täterinnen eingegangen wird.

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