talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking

Was wir „Schmuddelkinder“ so leisten

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Mal wieder das Thema sekundäre Viktimisierung: Clara Danida erzählt von ihren Erlebnissen als Aktivistin in der SPD, und beschreibt dabei nicht nur den alltäglichen Sexismus, sondern auch, was einer / einem droht, wenn er oder sie es wagt, über sexuelle Gewalterfahrungen zu sprechen.

http://kleinerdrei.org/2016/10/sexismusinparteien-kein-cdu-problem/

Über Sexismus wird immerhin gesprochen. Über Sekundär-Viktimisierung hingegen? Das ist noch gefährlicher. Also wissen die wenigsten auch nur, was der Ausdruck überhaupt bedeutet. Nämlich: Bis zur Unkenntlichkeit mit Projektionen und Vorurteilen überhäuft zu werden, Ängste, Aggressionen, Abwehr auszulösen, nicht mehr ernst genommen und ausgegrenzt zu werden. Sich angreifbar zu machen. Jede Aussage in die Richtung kann gegen Sie verwendet werden. Und wird es irgendwann, wenn es hart auf hart kommt. Wer sexuelle Gewalt erfahren hat, hat in fast allen menschlichen Zivilisationen die Rolle des Schmuddelkinds.

Die man durchaus ablegen kann, wenn man sich diesen Sachverhalt einmal bewusst gemacht hat. Schließlich wird umgekehrt ein Schuh draus: Wer mit sexueller Gewalt nicht anders umgehen kann, als durch Ausgrenzung der Betroffenen, hat ein massives Problem. Das ist nur noch nicht so ins allgemeine Bewusstsein vorgedrungen.

Das liest sich nicht sonderlich ermutigend. Andererseits: Welch eine Leistung, sich trotzdem zu behaupten! Je mehr es tun, desto leichter wird es werden. Wir sind nämlich viele. Millionen. Leider.

Und: Ein neues Leben anfangen, welch ein schönes Abenteuer. Viel Glück, @ClaraDanida

Nachtrag vom 11. Oktober: Hier noch ein Link zu einem Artikel, der das weit verbreitete „victim blaming“ zu erklären versucht. Im Großen und Ganzen durch zwei Thesen: Einmal die „gerechte-Welt-Hypothese“ – also die Tatsache, dass der Mensch seine eigene Wirkungsmacht aus psychologischen Gründen gerne überschätzt, und davon ausgeht, dass man in der Welt angemessen belohnt oder bestraft wird für vernünftige Lebensführung oder Faulheit / Schlamperei / Dummheit. Diesen Glauben an eine gerechte Welt kann man nur aufrecht erhalten, wenn man Opfer für selbst schuld erklärt.

Die andere Erklärung lautet, wer die Opfer zu den Schuldigen erklärt, wolle die soziale Struktur aufrecht erhalten und Konflikte vermeiden.

http://www.theatlantic.com/science/archive/2016/10/the-psychology-of-victim-blaming/502661/

Alles durchaus überzeugend. Ich bin mir aber nicht sicher, dass das schon alle Gründe sind, und dass nicht etwas Wesentliches fehlt.

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