talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking

Klassiker „Date Rape“

4 Kommentare

Das werden viele kennen, von früher, als man oder frau noch unerfahren waren; und Mist verdammter, wie ich kürzlich las, gibt’s das 30 Jahre später immer noch: „Date Rape“ genannt, weil es passiert mit jemandem, den oder die man/frau freiwillig und hoffnungsvoll in sein Leben gelassen hatte. Und dann hat Man / Frau sich nicht genug gewehrt, gedacht: „Was soll’s“, oder „Mist, jetzt ist es wohl zu spät, nein zu sagen“ – oder wurde schlicht überwältigt, vergewaltigt von jemandem, dem er oder sie vertraute. Und kriegt den Vertrauensbruch nicht verarbeitet, kann sich nicht eingestehen, dass gerade ein Verbrechen stattgefunden hat. Oder man sich was hat „gefallen“ lassen, und es war total falsch und man hat den Ausstieg nicht hingekriegt, und macht sich selbst Vorwürfe. Wer geht da rechtzeitig ins Krankenhaus; und dann womöglich zur Polizei – man hört sie doch alle schon sagen: „Die waren doch zusammen“; oder „Da will sich bloß wer rächen“).

http://kleinerdrei.org/2017/02/ein-brief-an-den-mann-der-mich-missbraucht-hat/

Ich habe hier noch ein Comic zum Thema; und vorher noch ein paar Sätze aus dem Buch „Yes means yes“, die ich übersetze:

„Das Ziel (für eine gute sexuelle Kultur – Anm. NdE) ist ein Modell der „begeisterten Zustimmung“. Dieses sollte die Idee ersetzen, dass Sex falsch ist, wenn jemand „nein“ sagt und sich wehrt. Sex ist schon falsch, wenn jemand nicht offen und begistert zeigt, dass er oder sie ihn möchte. Ich glaube fest, dass Vergewaltigungen weiter stattfinden, weil es sozial akzeptiert ist, auch von Menschen, die keine Vergewaltiger sind, dass „das doch kein großes Ding ist“ (wenn fehlender Konsens einfach übergangen wird), oder dass das Opfer selber schuld ist.“

http://everydayfeminism.com/2015/06/how-society-treats-consent/

Wobei sich für mich schon die Frage stellt, wie so viele Menschen dieser Meinung sein können. Die sollten sich vielleicht auch mal fragen, unter welchen Umständen sie so Sex möchten oder akzeptieren. Und warum das so ist , und ob sie das wirklich gut finden.

 

Advertisements

4 Kommentare zu “Klassiker „Date Rape“

  1. Hallo Nicht-die-Einzige, heißes Eisen, Ihr Thema. Ich sage manchmal, schlechter Sex ist keine Vergewaltigung. Damit meine ich, dass man sich auf Dinge einlässt, die einen beim Anziehen schon reuen. Gleichwohl hat man sich eingelassen und nicht nein gesagt, weil man sich nicht klar war. Dies geschieht wohl überwiegend nicht gefestigten Personen. Vergewaltigung würde ich das jedenfalls noch nicht nennen.

    Das Geschehnis, das auf „kleinerdrei.org“ beschrieben wurde, ist für mich hingegen eindeutig eine Vergewaltigung. Sie sagt hör auf, nein, gibt auch körperlich zu erkennen, dass sie es nicht mehr will, und er macht weiter.

    Ich persönlich geriet ab 16 Jahren in eine „Beziehung“ mit der Schwägerin. Beziehung in Anführungszeichen, denn ich war ihr Lustknabe. Sie war 16 Jahre älter als ich, also für mich damals eine alte Frau. Ich war damals aufgrund von Missbrauch und Misshandlung durch die Eltern gar nicht mehr in der Lage, nein zu sagen. So etwas stand mir nicht zu. Ich hatte bereit zu sein, wenn Frau nach mir verlangte.

    Heute, rückblickend, war dieses Verhältnis für mich ein fortgesetzter Missbrauch. Damals war es für mich nur eklig, zum kotzen und ungeheuer demütigend. Am ehesten ertrug ich es, wenn ich besoffen war. Weil ich damit nicht umgehen konnte, versuchte ich mir einzureden, ich sei in die Schwägerin verliebt. Doch es gelang mir nicht, was den Ekel noch mehr steigerte. Dennoch unterwarf ich mich immer wieder. – Ich war eben eine ungefestigte Persönlichkeit, oder präziser eine sich auflösende Persönlichkeit. Es gibt dazu hübsche Diagnosen, die allerdings weder die Schande noch den Schrecken erklären, die mich damals beherrschten und auch heute noch gegenwärtig sind, sobald ich entsprechend getriggert bin.

    Gleichwohl ist mir klar, eine strafrechtliche Vergewaltigung war das nicht. Es war subtiler Missbrauch einer traumatisierten Person oder schlicht ihre Reviktimisierung. – Vergleichbare Abläufe finden wir ja auch in der Prostitution. Da meint das Opfer auch häufig, es mache es freiwillig. Andernfalls würde es diesen ganzen Dreck nicht überleben.

    Zuletzt habe ich in diesem Sinn in meinem Blog auf einen Kommentar zum Thema „Strukturen des Missbrauches am Beispiel von Suchanfragen“ reagiert. Der Kommentator wies mich bereits mehrmals dahingehend darauf hin, dass, wenn die Altersgrenze für sexuelle Handlungen stimme, es kein Kindesmissbrauch wäre, was ich beschreibe. Ich erwiderte darauf zuletzt wie folgt:

    „Dass Sie eine andere Toleranzgrenze zwischen Kindern und Heranwachsenden ziehen als ich, ist mir durch Ihre Einwände inzwischen bekannt. Gleichwohl mag ich ihrer Duldsamkeit nicht folgen. Es ist ein leichtes für einen Erwachsenen, einen Jugendlichen zu sexuellen Handlungen zu verleiten, die dieser dann später bereut, und bei denen er sich subjektiv missbraucht gefühlt hat. Oder denken Sie ernsthaft ein 17jähriger Stricher, der bei einer Crystal Meth Party „freiwillig“ für Geld mehrfach vergewaltigt wird, fühlt sich danach nicht missbraucht?“
    LG Lotosritter

    Gefällt mir

    • Das, was Sie von Ihrer eigenen Biografie schildern @Lotosritter, ist vermutlich viel weiter verbreitet, als der gesellschaftliche Mythos uns das weismachen will. So wie Sie es darstellen, gehört sexuelle Ausbeutung und Misshandlung zur sozialen Kultur Ihrer Herkunftsfamilie. Ihre Schwägerin scheint entsprechend ausgewählt oder adaptiert worden zu sein. Vermutlich war ihr so ein übergriffiges Milieu vertraut, warum hätte Sie sonst Ihren Bruder heiraten sollen. Solche destruktiven Bedinungen kennen wohl die meisten Missbrauchsopfer, auch die, welche in Institutionen sexuell ausgebeutet wurden. Schließlich sind sie als Kind ja auch nicht ohne Grund dorthin gegeben worden. Wer so geprägt ist, tut sich schwer mit dem Einfühlungsvermögen und der nonverbalen Kommunikation, die für einvernehmliche, befriedigende Sexualität nötig ist. Kein Wunder, dass die „Rape Culture“ nahezu unsterblich scheint.

      VG
      Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

      Gefällt 1 Person

  2. Tja, werter Lotosritter; was Sie beschreiben führt auf einen schmalen Grat. Aber zuerst einmal danke für den Kommentar und Ihre Offenheit.
    Waren Sie nun „schuld“ an dieser „Beziehung“ – die sehr wohl missbräuchlich war – oder war die Missbrauchende verantwortlich? Letzteres stimmt doch wohl.
    Da stellt sich dann die Frage: Wie justiziabel ist das? Ich bin keine Juristin; würde aber auch denken, dass es das nicht ist. Außer, es bestand eine OFFENSICHTLICHE Abhängigkeitsbeziehung; was wohl eher nicht der Fall war.
    Andererseits finde ich es sehr schwierig zu akzeptieren, dass etwas, das moralisch verwerflich ist, dann einfach nicht justiziabel ist. Aber natürlich haben wir das in vielen Bereichen. Sonst hätte man ja VW & Co auch in Deutschland zur Verantwortung gezogen für ihre gesundheitsgefährdenden Betrügereien.
    Nur geht es hier eben um den Schutz von Menschen, die sich selbst nicht schützen können: Kinder, traumatisierte Jugendliche (oder auch Erwachsene). Und da wird es sehr schwer zu sagen: Kann der Gesetzgeber nichts machen.
    Aber eine Lösung habe ich auch nicht. In der Tat ist schlechter Sex noch keine Vergewaltigung; und jemand, der an eine/n Traumatisierte/n gerät, und das Schweigen falsch interpretiert, ist noch kein Vergewaltiger. Eher jemand mit einer schlechten bis kranken Beziehung zur Sexualität.
    Deswegen ja der Vorschlag: Schweigen, nicht „nein“ sagen, ist nicht genug. Wer will, will doch gern, und zeigt das doch auch.
    Was eher eine Frage einer Sexual-Kultur ist. Und da ist ja noch viel zu tun, auch in unserer Gesellschaft. Vielleicht muss das zuerst geschehen, bevor dann auch juristische Normen entstehen können.

    Gefällt 1 Person

  3. Die Wechselwirkung von kulturellen Übereinkünften, individuellen Defiziten und der Rechtsprechung ist ein zentraler Punkt, wenn es um die juristische Verfolgbarkeit von sexuellen Übergriffen geht. Erschwerend kommt hinzu, dass es wohl kaum etwas Intimeres und Vielfältigeres gibt als die Sexualität des Menschen. Jede Veränderung oder Anpassung ist deshalb ein komplexer, schwieriger Schritt, der große Auswirkungen hat, aber auch Ängste und Unsicherheiten erzeugt. Innerhalb der gesamten Gesellschaft, aber auch bei deren einzelnen Mitgliedern. Ich finde, bei vielen Debatten fehlt die wohlwollend-sachliche Distanz. Wer heutzutage Polemik erzeugen will, mixt Vorannahmen mit Themen, die irgendwie mit Sex zu tun haben.

    Die hohe Verbreitung traumatisierender Erfahrungen im Zusammenhang mit Sexualität (auch der eigenen!) bei gleichzeitiger umfassender Tabuisierung und Marginalisierung dieses Phänomens könnte zum Teil auf etwas zurückzuführen sein, was die Sexual- und Traumatherapeutin Elke Kügler hier beschreibt
    http://www.traumanord.de/Elke_Kuegler/Publikationen_files/Hinweischarakter%20von%20Traumafolgestoerungen%20.pdf
    http://www.traumanord.de/Elke_Kuegler/Publikationen_files/2007Artikel.pdf
    http://www.traumanord.de/Elke_Kuegler/Publikationen_files/Strukturelle%20Dissoziation.pdf

    Wäre es denkbar, dass dissoziative Sexualität nicht nur bei Opfern sexueller oder sexualisierter Attacken zu finden ist, sondern auch bei den Tätern bzw. Täterinnen eine Rolle spielt? Was in meinen Augen auch die hohe destruktive Energie und die tiefgreifend negative emotionale Dynamik erklären könnte, die wir nicht nur bei den direkt Betroffenen und den mutmaßlichen bzw. tatsächlichen sexuellen Aggressoren finden, sondern die das Thema bei fast allen Menschen auslöst. Und wenn man unsere Sexual-Kultur aus einem gewissen Abstand heraus komplett betrachtet, dann gibt es für das Abspalten, das seelische, geistige und/oder körperliche Wegdriften bei zwischenmenschlichen Sexualaktivitäten sogar ausgewiesene, tradierte Verhaltensmuster, die gemäß überkommener Geschlechterrollen bei männlichen und weiblichen Personen zwar unterschiedlich aussehen, aber einen ganz ähnlichen Hintergrund haben: tiefgreifende Traumatisierungen durch sehr früh im Leben erfahrene sexuelle Übergriffe.

    „Wer will, will doch gern, und zeigt das doch auch.“
    Eine sehr menschliche und sympathische Sichtweise. Ich würde mir wünschen, dass sie schnell um sich greift. „Seid fruchtbar und mehret euch“, das Credo abrahamitischer Sozialformen, das unsere Vorfahren am Übergang von der Stein- zur Neuzeit formuliert haben, orientiert sich allerdings eher an den Vorgaben der Tierzucht. Und deshalb ähnelt der tatsächliche sexuelle Alltag vieler Menschen eher einer regelrechten Schweinerei. Womit ich diesen gesellig-sozialen Tieren eigentlich Unrecht tue.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s