talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking

Wie „normal“ ist Missbrauch in Alabama – wie ein Täter beinahe Senator wurde

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Überraschung: Selbst im Bible Belt ist sexueller Missbrauch (noch) für viele Menschen ein Grund, jemanden nicht zu wählen. Im erz-konservativen Alabama, wo gestern ein Senator gewählt wurde, hat sich wider Erwarten der demokratische Kandidat Doug Jones knapp durchgesetzt. Sehr knapp.

Auch wenn es traurig ist, dass so etwas schon als gute Nachricht gelten muss: Es ist eine gute Nachricht. Die weniger gute Nachricht lautet, dass mehr als 48 % der Wählenden sich eben doch für Roy Moore entschieden haben, den mehrere Frauen beschuldigen, sie als Jugendliche (14Jährige) missbraucht zu haben. Das waren, bei einer unerwartet hohen Wahlbeteiligung (40%), fast 600.000 Menschen.

Man könnte jetzt einfach sagen: Bible Belt, verrückte Amerikaner, die alles wählen, was einen Cowboy-Hut trägt; was geht’s uns an? Aber mich interessierte, wie es geschehen kann, dass so gravierende Beschuldigungen für viele Menschen kein Grund waren, Moore nicht zu wählen. Er war und blieb Favorit, und die Überraschung, dass er doch nicht gewählt wurde, ist groß. Wie kann das sein? Meine These: So etwas kann nur in einer Umgebung funktionieren, wo sexuelle Gewalt nicht nur implizit, sondern explizit zur Kultur gehört.

Bei meinen Recherchen bin ich auf diesen Artikel gestoßen, der meine These bestätigt: 

http://thefederalist.com/2017/11/30/alabamians-vote-roy-moore/

Einen moralisierenden, schlecht recherchierten Artikel, der die Wähler aufruft, Moore zu wählen, und dabei kein schlechtes Gewissen zu haben. Die Zeiten, so heißt es im Artikel, sie waren damals so – da war Missbrauch noch erlaubt und normal. Der Autor zweifelt also nicht einmal an der Wahrheit der Beschuldigungen (Moore leugnet sie)! Stattdessen rechtfertigt er sie: Geschlechtsverkehr mit jungen Frauen sei arterhaltend, weil die dann schon jung und dann ganz viele Kinder bekommen können (es tut mir leid. Das steht da, so widerlich es ist). Es wird sogar auf einen wissenschaftlichen Artikel verwiesen, der diese These belegen soll (falls sich jemand für die Argumentation interessiert). Das Institut, das den Artikel eingestellt hat, ist hoch seriös, Teil des „National Institute of Health“.

Sexueller Missbrauch zwecks Art-Erhaltung

Auch durch diesen Verweis haben wir es also hier nicht nur mit der Verharmlosung, sondern direkt mit der Rechtfertigung von sexueller Gewalt zu tun. Auch wenn der Autor des o.g. Zeitungsartikels natürlich sagt, wenn einer das mit seiner Tochter machen würde, bekäme er einen Tritt an den entsprechenden Ort (ich übersetze). Wohlgemerkt einen Tritt, keine Anzeige.

Mit keinem Wort erwähnt werden in dem Artikel  Moores Versuche, vor Gericht Täter-freundliche Procedere durchzusetzen, die mit der Verleumdung und Diskreditierung der Opfer arbeiten. Dazu hier noch ein Artikel auf Englisch:

Moores Täterschutz-Aktivitäten

Ich gehe davon aus, dass der Journalist diese Aktivitäten wohl kannte, sie aber verschweigt. Er verschweigt auch, dass Moore eine Art christlicher Shariah einführen möchte: Nachdem er sich bei den Vorwahlen gegen seinen innerparteilichen Kontrahenten durchgesetzt hatte, kündigte er an, die säkulare Rechtsordnung durch das „Gesetz Gottes“ ersetzen zu wollen.

Moore war  – Obacht! – zwei mal oberster Richter in Alabama. Wurde allerdings auch zwei mal wegen seiner fundamentalistischen Eskapaden abgesetzt.

Zum Sieg verholfen hat dem demokratischen Kandidaten wohl vor allem die schwarze Community. Die Konservativen, die Moore nicht wählen wollten, haben unabhängige Kandidaten gewählt. Demokratisch ging für sie dann doch nicht. Aber Moore dann doch auch nicht.

 

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