talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking

Bischof Fürst und die Missbrauchs-Kommission von 2002: Eine Täterschutz-Kommission

3 Kommentare

Die katholische Kirche reagiert hektisch auf die Krise nun auch in Deutschland, ausgelöst durch die Veröffentlichungen der Mindestzahlen, was sexuellen Missbrauch durch Kleriker angeht. Wieder werden Scham und Bedauern ausgedrückt, zum Beten aufgefordert, und – einige waschen auch ihre Hände in Unschuld. So Bischof Fürst in einer Meldung der katholischen Nachrichten-Agentur vom 17. 9. 2018. Ich zitiere: „“Die württembergische Diözese sei die bundesweit erste gewesen, die bereits im Jahr 2002 eine unabhängige Expertenkommission eingesetzt habe“. Ich hatte 2005 mit dieser Kommission eine niederschmetternde (im wörtlichen Sinn zu nehmen) Begegnung. Diese Kommission war eine Täterschutz-Kommission, die mich mit meinem Anliegen ungespitzt in den Boden gehauen hat.

Dass nun zur Rechtfertigung auf dieses Kommission verwiesen wird, empfinde ich als Hohn. Der jetzigen Vorsitzenden, die ehemalige CDU-Familien-Ministerin Monika Scholz, ist sehr wohl bekannt, wie destruktiv deren Arbeit für mich damals war, und wie unprofessionell vorgegangen wurde. Bzw. durchaus professionell: Im Sinne des Täterschutzes. Die Retraumatisierung des Opfers wurde billigend in Kauf genommen. Vermutlich wurde an meinen möglichen Zustand kein Gedanke verschwendet. Der Furor, mit dem der Justiziar Rheus damals seine Institution verteidigte, war auch 2011 noch nicht vergangen, als er für meine öffentliche Diskreditierung sorgte, und noch vor Gericht seine unsägliche, frei erfundene und durch nichts untermauerte Version der Geschehnisse von sich gab. Der Richter musste ihn ermahnen, das zu unterlassen.

Justiziar Rheus ist noch immer in der Kommission; der Geschäftsführer ist ebenfalls ein Kirchenjurist. Diese Kommission wird auf der Homepage des Bistums als „unabhängig“ bezeichnet! http://www.drs.de/rat-und-hilfe/hilfe-bei-missbrauch.html Das ist schlicht eine Lüge. Die Mehrheit der Mitglieder sind Kirchenangestellte, unter ihnen viele Juristen: http://www.drs.de/rat-und-hilfe/hilfe-bei-missbrauch/kommission-sexueller-missbrauch.html?L=892. Eine unabhängige, Betroffene unterstützende Kommission, die professionell arbeitet, sieht anders aus. Mir wurde übrigens damals nicht mitgeteilt, dass es eine Missbrauchs-Kommission gebe. Wozu auch? Sie war nicht für mich, zu meiner Unterstützung da, sondern zum Schutz der Institution. Ihre Existenz entdeckte ich 2010 bei Recherchen.

Wie die Kommission 2005 vorging, habe ich hier beschrieben: https://talkingaboutsexualtrauma.wordpress.com/2018/08/29/was-passierte-nachdem-ich-den-pfarrer-angezeigt-hatte-oder-wie-es-nicht-gehen-kann/

Ich wüsste gerne, wie sich die damaligen Mitglieder der Kommission zum Vorgehen von Justiziar Rheus positionieren. Ich finde, man schuldet mir eine Erklärung. 2010 war ein Kinderarzt Mitglied der Kommission: Wußte er, wie opferfeindlich vorgegangen wurde? Hat er das mitgetragen?

Die „Anerkennungszahlung“ habe ich stets als sehr niedrig angesetztes Schmerzensgeld für die mir angetanen  Retraumatisierungen (2005 und 2010) betrachtet. Aufarbeitung ist so etwas nicht. Es ist Institutionenschutz.

 

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3 Kommentare zu “Bischof Fürst und die Missbrauchs-Kommission von 2002: Eine Täterschutz-Kommission

  1. Danke für die gut verständliche Überschau.

    Auch diese Fälle gehören von souveräner Seite her untersucht http://www.drs.de/service/presse/a-kinderheim-st-josef-in-huerbel-fakten-s-00004517.html. Im Gegensatz zu Missbrauchsverbrechen verjährt Mord nicht.

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  2. Katholisch.de äußert sich zum aktuellen Bericht, indem es die Stimmen der Bischöfe versammelt. Unter anderem die von Kardinal Marx, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz:
    Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, mahnte eine Opferperspektive an. „Wir sehen mit den Augen der Opfer, mit den Betroffenen, auf das, was geschehen ist“, sagte Marx am Sonntag im rheinland-pfälzischen Vallendar. „An ihrer Seite müssen wir stehen“, betonte der Münchner Erzbischof. Der sexuelle Missbrauch sei „eine Wunde, etwas, was uns zutiefst bedrückt und erschüttert und erschrocken macht, dass inmitten der Kirche das geschehen ist und geschieht“.

    Interessant, wie flott der Blickwechsel vom vermeintlichen Blick „mit den Augen der Opfer“ zur Interesselage der Kirche geschieht. Es ist, wie Sie aufzeigen, der einzige Blickwinkel, der die Kirchenfürsten interessiert. Sie wollen Schaden von der Kirche abhalten und dabei nicht die Schädiger verfolgen, sondern die Opfer diskriminieren. Denn besäßen sie einen Funken Empathie, könnten sie sich wenigstens soweit in ein Opfer und späteren Überlebenden sexueller Gewalt durch einen Priester einfühlen, dass sie erkennen, dass sie sich nicht einfühlen können; dass das Grauen das dieses Kind durchlebte weit größer ist, als sie meinen, sich vorzustellen.

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  3. Als anerkanntes Missbrauchsopfer kann ich nur bestätigen. Die RKK reagiert nicht nur kopflos auf die lawinenartige Entwicklung der Fakten, sie versucht auch mit aller Macht einen „Status Quo“ zu verteidigen, der nicht mehr haltbar ist. Da reisen die Regensburger Domspatzen nach Israel, geben sich bußfertig, und daheim steht die Büste von T. Schrems, einem gefürchteten Schläger und Professor von Hitlers Gnaden, direkt vor dem Musikgymnasium. Jetzt geschieht endlich das was die RKK immer verhindern wollte. Die Aufarbeitung wird immer mehr durch staatliche Stellen wie UBSKM übernommen und damit der Kirche aus der Hand genommen. Man stelle sich vor, der Hauptschläger aus Etterzhausen ein J. Meier wird in Falkenstein heute noch in einer Grabinschrift als MSGR bezeichnet. Ehrenwert war der bestimmt nicht. Aber Demut ist nicht das Ding der Kirche. Diesbezügliche Gleichnisse in der Bibel werden vom Klerus grundsätzlich missverstanden, sonst wäre zumindest die Ursache vieler schlafloser Nächte, wie die oben erwähnte Grabinschrift, geändert worden.

    Opfer „Sie müssen Kontrolle abgeben“

    https://www.sueddeutsche.de/politik/opfer-sie-muessen-kontrolle-abgeben-1.4130041

    Haimo Herrmann
    Etterzhausen 1962-1964

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