talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


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„Aufklärung“ predigen und Vertuschung praktizieren

Man hatte wohl gehofft, der Redakteur werde mich nicht finden. Acht Jahre lang hatte die Diözese Rottenburg-Stuttgart es geschafft, vor der Öffentlichkeit zu verbergen, dass der Pfarrer der Gemeinde Unterboihingen (mindestens) ein Kommunionkind missbraucht hatte. Und noch acht Jahre später versuchte man einem den Fall neu recherchierenden Journalisten weiszumachen, man habe mir die „Anerkennungs-Zahlung“ quasi aus Mitleid zukommen lassen – weil man gemerkt habe, dass mir „etwas Schlimmes“ passiert sei. Das Auffinden von Kindernacktbildern im Nachlass des Pfarrers wurde einfach verschwiegen.

So geht es weiter mit Vertuschung; es werden Veranstaltungen zu Prävention gemacht, und gleichzeitig wird Aufklärung verhindert, Gläubige werden belogen, damit die Glaubwürdigkeit von Opfern weiterhin fragwürdig bleibt. In Ulm sitze ich mit zwei Mitgliedern einer Missbrauchs-Kommission auf dem Podium, die auf meinen Bericht, wie mich ihr Vorgehen 2005 traumatisierte, mit steinernen Gesichtern reagieren. Weiterlesen


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Offener Brief an Kirchengemeinden, die von sexuellem Missbrauch durch Priester oder Mitarbeiter betroffen sind

Die weltweit erste Untersuchung sexueller Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche durch eine staatliche Stelle hat Erschreckendes zutage gefördert: Es wurde missbraucht, verharmlost und vertuscht bis in die höchsten Ebenen.  Leider gibt es keinen Grund zu glauben, dass das in Deutschland anders aussähe. Entsprechend werden Whistle-Blower – und das sind Missbrauchs-Opfer, die von der Kirche Rechenschaft und Genugtuung verlangen – von den deutschen Kirchen behandelt. Von evangelischer wie katholischer Kirche.

Opfer sexueller Gewalt durch Kirchen-Angehörige sind auch in Deutschland Bittsteller, die abgewehrt und mit heimlichen Zahlungen abgespeist werden, damit die Geschehnisse anschließend wieder mit dem Mantel des Schweigens verhüllt werden können. Das muss ein Ende haben. Die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch durch Priester und kirchliche Mitarbeiter muss in eine neue Phase treten. Sie braucht die aktive und proaktive Mitarbeit der Gemeinden und aktuellen Priester, Diakone und engagierten Laien. Weiterlesen


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Studie die Zweite: Gewaltbetroffene in jeder Schulklasse

Knapp 60 Prozent der Jugendlichen haben in den drei Jahren vor einer Umfrage des deutschen Jugend-Instituts sexuelle Gewalt erlebt. Drei Prozent der Jungen und fünf Prozent der Mädchen zu sexuellen Handlungen gezwungen. Jungen reden überwiegend gar nicht über sexuelle Übergriffe, die sie erlitten, Mädchen zu einem Drittel auch nicht. Der Familie vertrauen sich die Wenigsten an: Wenn, dann wird mit gleichaltrigen Freundinnen oder Freunden darüber gesprochen.

4300 Jugendliche wurden befragt, die sich 90 Minuten Zeit nahmen, den Fragebogen auszufüllen. Was das Ergebnis über die Atmosphäre und Kultur aussagt, was Sexualität angeht, ist niederschmetternd: Sexuelle Gewalt und Übergriffigkeit gehört zum Alltagsleben und zur sexuellen Kultur. Fast die Hälfte der Mädchen müssen Witze über ihren Körper über sich ergehen lassen, bei den Jungen sind es mehr als ein Drittel. Über Mädchen werden Gerüchte verbreitet. Porno-Konsum ist, vor allem unter Jungen, weit verbreitet, zehn Prozent der Mädchen wurden sexuell belästigt, und drei Prozent der Jungen.  Weiterlesen