talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


Ein Kommentar

Wenn die Missbrauchs-Opfer kommen. . .

. . . ist der Bischof lieber im Pressehaus zum Interview. Jedenfalls war das so bei der Veranstaltung des Martinushauses in Aschaffenburg „Missbrauch in der Kirche – Verantwortung übernehmen“, am 31. Oktober.

https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/veranstaltung-zum-thema-missbrauch-verantwortung-uebernehmen/

Oder er ist ganz woanders; wo Bischof Stephan Ackermann bei der Veranstaltung zum Thema am 29. Oktober in Trier war, wissen wir nicht. Immerhin ist er der Missbrauchs-Beauftragte. Eine öffentliche Veranstaltung zum Thema „Verantwortung der Kirche beim Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder“ sollte ihn also ganz besonders NICHT interessieren.

Ein Pressevertreter des Main-Echo schrieb zwar in Aschaffenburg eifrig mit, aber erschienen ist im Blatt bisher lediglich das Interview mit dem Bischof. Überschrift: „Bischof: Missbrauch ist ein Verbrechen“. Ach so, er weiß bescheid. Er gehörte offenbar auch nicht zu denjenigen, die sagten, man müsse den Betroffenen zuhören. Oder finden die Herren einfach, man sollte den Betroffenen im privaten Rahmen einer gnädig gewährten Audienz zuhören, aber keinesfalls auf öffentlichen Veranstaltungen? Die beiden Herren sollten auf ihren Ober-Bischof hören:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kardinal-marx-zu-missbrauchsstudie-haben-opfern-zu-wenig-zugehoert-15806028.html

Immerhin war es das erste Mal, dass eine kirchlich organisierte Veranstaltung öffentlich Betroffene zu Wort kommen ließ. Eigentlich ein Grund, sich zu schmücken. Aber dieser PR-Aspekt wurde wohl übersehen; man kann da eben nicht kontrollieren, was so gesagt wird.

Bei beiden Veranstaltungen wurde klar, dass viele Menschen, Katholiken, sich alleine gelassen fühlen mit der moralischen Verantwortung für die in ihrer Kirche begangenen Verbrechen. Viele der Anwesenden haben mich beeindruckt. Z.B. die Frau, die erzählte, wie sie nach dem Gottesdienst den Priester ansprach, und ihr Bedürfnis nach Veränderung ausdrückte. Der Priester habe ihr gesagt, es solle und werde sich nichts ändern. Worauf sie ihm geantwortet habe, dass er sich umsehen möge, wer in den Gottesdienst gekommen sei. „Diese Menschen sind in zehn Jahren tot, und dann ist die Kirche leer“.

So viel Fantasie scheinen die Kirchenführer nicht zu haben. Mich hat auch die Treue bewegt, die viele Menschen dieser in autoritären Strukturen erstarrten Kirche halten. Oder vielleicht halten sie die Treue eher Jesus oder Gott, und möchten den Rahmen nicht missen, in dem sie das gemeinsam mit anderen tun können. Aber diejenigen, die diese Kirche lebendig halten möchten, scheinen es schwer zu haben.

Eine Betroffene berichtete, der Priester, der sie unterstützt habe, als sie den Täter anzeigte, sei derart gemobbt worden, dass er das Bistum verlassen musste.

Als Nicht-Katholikin und Atheistin, die Religion eher für schädlich hält, muss ich sagen: Ich habe Menschen getroffen, für die sie ein Halt ist, und die sie nicht ausschlachten, um anderen Vorschriften zu machen, oder sich Macht über andere zu verschaffen und damit auch materielle Vorteile.

Ich bedaure, dass die katholische Kirche für solche Menschen kein sicherer Ort ist, weil sie ihren Oberen nicht vertrauen können, und in dieser autoritär strukturierten Institution keinerlei Einfluss nehmen können. Warum fordert die Politik nicht eine Demokratisierung der Kirche? Aus Angst vor einer Institution, die zunehmend sich leerenden Kirchen vorsteht? Das heißt, sie im Stich zu lassen.

Genau wie es heißt sie im Stich zu lassen, wenn man nicht die Anwendung säkularen Rechts verlangt und auch durchsetzt. Traurig genug, dass auch das nun – wie die Maßnahmen zur Absenkung der Giftstoff-Konzentrationen in unserer Atemluft – zur Sache von Juristen geworden ist:

http://www.blog-rechtsanwael.de/es-darf-keine-rechtsfreien-raeume-geben-strafanzeige-wegen-der-missbrauchfaelle-in-der-katholischen-kirche/

 

 

 

 

 

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Was passierte, nachdem ich den Pfarrer angezeigt hatte oder: Wie es NICHT gehen kann

Dieser Blog ist keine Klagemauer, meine Geschichte hielt ich schon immer für banal (im Sinne von gewöhnlich). Aus gegebenem Anlass – dem offenen Brief an die Kirchengemeinden – möchte ich aber hier schildern, wie es mir, Opfer eines übergriffigen Pfarrers, erging, als ich mich nach 32 Jahren endlich entschloss, den Pfarrer bei seiner Kirche anzuzeigen. Es war das Einzige, was ich noch tun konnte, denn seine Übergriffe – Gefummel bis zur manuellen und genitalen Vergewaltigung im Jahr 1973 – verjährten bereits an meinem 18. Geburtstag. Da hatte ich zwar Erinnerungen, verharmloste sie aber völlig.

Ich habe Pfarrer Niedermeier, der bis zu seiner Rente in Unterboihingen bei Stuttgart tätig war, 2005 bei der Kirche angezeigt. Ich hoffte auf Mitgefühl und Unterstützung. Sehr naiv, ich weiß, ‚Tschuldigung. Was ich bekam, waren Briefe, die mir sagten, man befrage jetzt den Pfarrgemeinderat und den Pfarrer. Dann, dass diese von nichts wüßten und dass das alles ohnehin nicht sein könne. Dann, ich möge die Vorwürfe zurückziehen. Keinerlei Angebote für Unterstützung natürlich. Erster Teil der Viktimisierung.  Weiterlesen