talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


Ein Kommentar

„Was machen wir mit dem Elefanten im Raum“? Zwei Bücher von Betroffenen über Aufarbeitung von Sexuellem Kindesmissbrauch

Wer als Kind oder Jugendliche/r sexueller Gewalt ausgesetzt wurde, hat im Großen und Ganzen drei Möglichkeiten:

Verdrängen. Kann irgendwann schiefgehen, richtet im allgemeinen schwere Kollateralschäden bei den nahen Mitmenschen an, kostet Energie und Lebensfreude.

Behaupten, man komme zurecht. Man sei stark und jedenfalls stärker als – .

Oder es ablehnen, das Ganze als Privatangelegenheit zu betrachten, zu der das Geschehen den Opfern gerne erklärt wird, und die Aufmerksamkeit auf den Elefanten im Raum zu lenken versuchen, den niemand sehen möchte: Nicht etwa das private Schicksal, sondern die unheimliche Menge an privaten Schicksalen in unserer Gesellschaft, die an der Bürde tragen, Integrität und Würde früh im Leben durch sexuelle Übergriffe verloren zu haben, die für die Täter/innen wenig bis meist keine Konsequenzen hatten.

Die beiden Autoren, deren kürzliche erschienene Bücher zum Thema ich hier vorstellen möchte, bewegen sich zwischen diesen Polen; wie vermutlich die meisten Betroffenen. Der eine weigert sich, politisch zu werden, der andere, sein persönliches Erleben von Missbrauch als einmalig und an sich aufschreibenswert zu erachten.

„Mein Fall“ und „Damit es aufhört“ – die beiden Titel zeigen die unterschiedlichen Intentionen von zwei schmalen Bänden, die doch vom Gleichen sprechen: Als Schüler an einer katholischen Schule sexueller Gewalt durch Kleriker ausgeliefert gewesen zu sein. Und was passiert, wenn man wagt, das woanders als im strikt privaten Kreis zu thematisieren.

Den einen, Matthias Katsch, hat das Aufbrechen und Publikwerden des Geschehenen quasi zehn Jahre lang verpflichtet: Dazu, es aufzuarbeiten, aber nicht nur für sich selbst. Weiterlesen


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Astrid Lindgrens Kampf für bessere Kindheiten

Die Spezies Mensch dürfte die einzige sein, deren Individuen Strategien entwickelt haben, sich selbst vor Schmerz zu schützen, indem sie ihre Kinder schädigen. Die generationenweise Schäden und Störungen weitergeben, und gänzlich unangepasstes, destruktives Verhalten, das vielleicht einmal zur Zerstörung der Menschheit führen wird. Siehe die Herren Kim Jong-Un und Trump, zwei Narzissten, von denen der eine glücklicherweise Kontrolle seiner Macht dulden muss.

„Ein Kind, das sich von seinen Eltern nicht geliebt fühlt und das nichts findet, was es lieben kann, oder woher es Liebe bekommt, wächst selbst zu einem unglücklichen und häufig lieblosen Menschen auf, der auf seinem Weg durchs Leben viel Schaden anrichten kann. Das Schicksal der Welt entscheidet sich in den Kinderzimmern. Weiterlesen


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Trilogie über Leben mit sexueller Gewalt:

Herbjörg Wassmo, das Haus mit der blinden Glasveranda (und folgende Bände).

„sie war nicht so scheu und selbstzerstörerisch, wie die Leute es gerne hätten. Sie verachtete Unterwürfigkeit, und das war schlimm von ihr“ – einer dieser hellsichtigen Sätze aus dem ersten Band der Trilogie der norwegischen Autorin Wassmo. Der (meines Wissens) erste preisgekrönte Roman zu diesem garstigen und aus der „hohen“ Literatur weitgehend ausgesperrten Thema , und er hat sogar internationale Anerkennung gefunden.

In Deutschland freilich (und typischerweise) unter dem Etikett „Frauenliteratur“. Es handelt sich aber um Weltliteratur, die geradezu bildhaft und intensiv eine Welt heraufbeschwört und so beschreibt, wie man es noch nie gelesen hat.

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