talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


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„Tat jenseits des Vorstellbaren?“ So lässt man Kinder vor die Hunde gehen

Warum nehmen mich diese Informationen noch viel mehr mit: Dass der Täter, der für die Prostitution und massive sexualisierte Misshandlung des 9Jährigen mit verantwortlich ist, einschlägig vorbestraft war, nur knapp der Sicherheitsverwahrung entging, und Jugendamt wie Polizei bekannt war, dass er dennoch Umgang mit dem Jungen hatte? Dass ein Gericht die Rückkehr des Jungen in die Familie ERZWANG, den das Jugendamt in Obhut nehmen lassen wollte?
http://www.badische-zeitung.de/zerschlagener-paedophilenring-im-breisgau-ein-dorf-steht-unter-schock

Man hätte so vieles verhindern können. Verhindern MÜSSEN. Aber es heißt ja allenthalben, es handle sich um eine Tat „jenseits des Vorstellbaren“ (Badische Zeitung) http://www.badische-zeitung.de/missbrauchsfall-eine-tat-die-jenseits-des-vorstellbaren-ist , die „Einblick in menschliche Abgründe“ gebe http://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauch-menschliche-abgruende-1.3823555 Gleichzeitig wird versucht, das Geschehen woanders zu verorten, und festzumachen, wo dieses Orte sein könnten:  „Aber lauern nicht gerade an idyllischen Orten manchmal die tiefsten menschlichen Abgründe?“ So kann man sich vom Leib halten, dass das ÜBERALL SEIN KANN. UND IST. Weiterlesen

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Rückblick auf 2017: Und in Deutschland?!

Sind in Deutschland die Öffentlichkeit und die Behörden; kurz: Die meisten Menschen besonders indolent, wenn es um sexuelle Gewalt geht? Jahrelang dachte ich: Na gut, ich erwarte halt mehr, weil ich selbst betroffen bin.

Das denke ich jetzt nicht mehr. Es hat sich in vielen Ländern einiges getan: Irland, Schweden, Frankreich, Australien, USA, Indien. Freilich ist in der Mehrheit anderer Länder sexuelle Gewalt schlicht uneingestandene Normalität. Aber Deutschland hält sich ja was zugute auf Fortschrittlichkeit und Einhaltung der Menschenrechte. Wenn es um sexuelle Gewalt geht, kommt dann aber eine wirklich bemerkenswerte Trägheit durch. Nicht nur dieser Artikel hat mich in meinem Eindruck bestätigt; hier geht es um die Übergriffe, von denen Ingrid Steeger schon vor Jahren berichtet hat – total folgenlos (dabei wäre es sehr einfach gewesen, die Täter zu identifizieren):

http://www.sueddeutsche.de/leben/jahresrueckblick-des-sz-magazins-weinstein-metoo-und-mein-treffen-mit-ingrid-steeger-1.3801718?reduced=true

Oder nehmen wir die Causa „Pädophile als Pflegeväter“ – dieses unsägliche, vom Berliner Senat unterstützte Projekt. Wie geht es da voran? Vor fünf Jahren schon war die Sache in den Medien; s. hier:   Weiterlesen


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Sexuelle Gewalt und Männer

„Dunkelfeldstudien zu dem Thema geben an, dass etwa fünf bis 15 Prozent der sexuellen Gewalt gegen Jungen und männliche Jugendliche von Frauen ausgeht.“

Als Erstes mal was ganz Wichtiges: Es gibt nicht „die Männer“ und „die Frauen“. Abgesehen davon, dass es noch eine Menge Menschen gibt, die sich irgendwo dazwischen oder ganz woanders fühlen, gibt es überall „Solche und Solche“. Merkwürdigerweise sind die Klischees „Mann als Vergewaltiger“ und „Frau als Opfer“ in der #MeToo Diskussion der letzen Woche aber noch immer stark präsent. Deswegen hier mal ein paar Informationen von fachlicher Seite, nämlich Thomas Schlingmann von „Tauwetter“.

http://www.sueddeutsche.de/leben/sexueller-missbrauch-viele-maenner-verdraengen-jahrelang-dass-sie-missbraucht-wurden-1.3738041

Das Verdrängen ist übrigens keineswegs männerspezifisch, und es ist auch nicht so, dass Frauen sich lieber oder leichter als Opfer / Betroffene (an)erkennen würden als Männer. Wie groß die Unterschiede wirklich sind zwischen den Geschlechtern, wenn es um die Verarbeitung des Erlebens von oder um das Ausüben von sexueller Gewalt geht, ist noch sehr unklar. Schlingmann meint aber, es gebe sehr wohl Unterschiede.  Weiterlesen


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„Ich finde, das wird verdammt selten gewürdigt“

Ab und zu bekomme ich Hinweise von anderen Missbrauchs-Betroffenen, die sich für Aufarbeitung engagieren. Hier ging es um den Hoexter-Prozess (wie glaubwürdig die Opfermasche des Angeklagten ist, sei mal dahingestellt), und ich fand folgende Überlegungen, die Angelika in diesem Zusammenhang formulierte, bedenkenswert:

„Ich hoffe, ein paar von den Verantwortlichen, mit denen wir seit Jahren um Aufklärung, Wiedergutmachung und Aufarbeitung ringen, lesen diesen Artikel und danken dem Fliegenden Spaghettimonster, dass die meisten Betroffene NICHT an Anderen wiederholen, was man ihnen in der Kindheit einmal angetan hatte. Ich finde, das wird verdammt selten gewürdigt. Viele von uns haben große Teile der Lebenszeit, enorme Energie und viel Geld in die Auseinandersetzung mit dem gesteckt, was andere Menschen zu verantworten hatten. Etliche tun viel mehr für andere Menschen, als sie von denen zurückbekommen. Es gibt viele Nicht-Betroffene, die es sich statt dessen im Leben bequem machen. Ob sowas sinnvoll und erfüllend ist, sei dahin gestellt. Aber es ist wohl vergleichsweise easy.“

Ist so. Und mit etwas Glück haben wir wohl etliche schwere und schwerere Stunden mehr als Nicht-Betroffene; aber vielleicht auch eine intensiver genossene Lebensfreude. Was mich betrifft auch die beruhigende Einstellung: So schlimm wie damals wird’s nie wieder, und es wird immer besser, je weiter weg ich davon komme.


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Sexuelle Gewalt auch getarnt strafbar

Das wäre jetzt auch amtlich: Auch wenn dem Opfer nicht klar ist, dass es gerade sexualisiert misshandelt wird, ist die Handlung strafbar. Ein in erster Instanz verurteilter Sexualstraftäter hatte Revision eingelegt mit der Begründung, seine Opfer hätten die Misshandlungen als Handlungen im Rahmen einer sportmedizinische Studie verstanden und seien deswegen nicht geschädigt worden.

Das Gericht stellt dazu fest:

„Denn es lasse sich nicht vorhersehen, ob und gegebenenfalls wann der Erkenntnisprozess beim jugendlichen Opfer stattfinde, wie er seine Erfahrung verarbeite und sich zunächst nicht genau eingeordnete Vorfälle zu einem späteren Zeitpunkt auf seine sexuelle oder soziale Entwicklung auswirke. Es komme in diesem Zusammenhang daher nicht darauf an, aus welchem Grund das jugendliche Opfer den wahren Gehalt der sexuellen Handlung verkenne.“

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„Wenn einer von uns stirbt. . .

. . . geh ich nach Paris“. Welch ein rätselhafter Filmtitel. In diesem Dokumentarfilm erzählt der Filmemacher Jan Schmitt die Geschichte seiner Mutter. Die sich umbrachte, weil sie mit all dem Erlittenen nicht mehr leben konnte oder wollte – jahrelang als Kind und Jugendliche die Beute eines Jesuitenpaters gewesen zu sein, einschließlich zweier während ihrer Teenager-Zeit geborener Kinder, eines tot, und eines im vom Täter vermittelten Heim zur Welt gebracht und zur Adoption freigegeben. Und auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

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Spotlight – ein (amerikanischer) Traum

Da ist es wieder, wie damals beim Film „Festen“ (bei dem es um Aufarbeitung von familiärem Missbrauch geht). Unsereins geht raus, ein wenig seufzend, und denkt sich wehmütig: „Hach, Gerechtigkeit. Das war jetzt schön“. Während die meisten Zuschauer das Ganze mutmaßlich eher etwas verstörend fanden. Und bestimmt nicht auf die Idee kämen, man könne das alles womöglich fast schon ein wenig kitschig finden. Was ja übrigens auch mal schön ist. Ein bisschen träumen. Wie schön das wäre, wenn wir auch in Deutschland viele, viele solch cooler Journalisten hätten.

Die Realität sieht ja doch ganz, ganz anders aus. Rühmliche Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ich darf Ausschnitte aus meinem Dialog mit einer Redakteurin der „Nürtingen Zeitung“ vor einer Woche zitieren;

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