talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


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„Ich finde, das wird verdammt selten gewürdigt“

Ab und zu bekomme ich Hinweise von anderen Missbrauchs-Betroffenen, die sich für Aufarbeitung engagieren. Hier ging es um den Hoexter-Prozess (wie glaubwürdig die Opfermasche des Angeklagten ist, sei mal dahingestellt), und ich fand folgende Überlegungen, die Angelika in diesem Zusammenhang formulierte, bedenkenswert:

„Ich hoffe, ein paar von den Verantwortlichen, mit denen wir seit Jahren um Aufklärung, Wiedergutmachung und Aufarbeitung ringen, lesen diesen Artikel und danken dem Fliegenden Spaghettimonster, dass die meisten Betroffene NICHT an Anderen wiederholen, was man ihnen in der Kindheit einmal angetan hatte. Ich finde, das wird verdammt selten gewürdigt. Viele von uns haben große Teile der Lebenszeit, enorme Energie und viel Geld in die Auseinandersetzung mit dem gesteckt, was andere Menschen zu verantworten hatten. Etliche tun viel mehr für andere Menschen, als sie von denen zurückbekommen. Es gibt viele Nicht-Betroffene, die es sich statt dessen im Leben bequem machen. Ob sowas sinnvoll und erfüllend ist, sei dahin gestellt. Aber es ist wohl vergleichsweise easy.“

Ist so. Und mit etwas Glück haben wir wohl etliche schwere und schwerere Stunden mehr als Nicht-Betroffene; aber vielleicht auch eine intensiver genossene Lebensfreude. Was mich betrifft auch die beruhigende Einstellung: So schlimm wie damals wird’s nie wieder, und es wird immer besser, je weiter weg ich davon komme.

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Sexuelle Gewalt auch getarnt strafbar

Das wäre jetzt auch amtlich: Auch wenn dem Opfer nicht klar ist, dass es gerade sexualisiert misshandelt wird, ist die Handlung strafbar. Ein in erster Instanz verurteilter Sexualstraftäter hatte Revision eingelegt mit der Begründung, seine Opfer hätten die Misshandlungen als Handlungen im Rahmen einer sportmedizinische Studie verstanden und seien deswegen nicht geschädigt worden.

Das Gericht stellt dazu fest:

„Denn es lasse sich nicht vorhersehen, ob und gegebenenfalls wann der Erkenntnisprozess beim jugendlichen Opfer stattfinde, wie er seine Erfahrung verarbeite und sich zunächst nicht genau eingeordnete Vorfälle zu einem späteren Zeitpunkt auf seine sexuelle oder soziale Entwicklung auswirke. Es komme in diesem Zusammenhang daher nicht darauf an, aus welchem Grund das jugendliche Opfer den wahren Gehalt der sexuellen Handlung verkenne.“

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„Wenn einer von uns stirbt. . .

. . . geh ich nach Paris“. Welch ein rätselhafter Filmtitel. In diesem Dokumentarfilm erzählt der Filmemacher Jan Schmitt die Geschichte seiner Mutter. Die sich umbrachte, weil sie mit all dem Erlittenen nicht mehr leben konnte oder wollte – jahrelang als Kind und Jugendliche die Beute eines Jesuitenpaters gewesen zu sein, einschließlich zweier während ihrer Teenager-Zeit geborener Kinder, eines tot, und eines im vom Täter vermittelten Heim zur Welt gebracht und zur Adoption freigegeben. Und auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

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Spotlight – ein (amerikanischer) Traum

Da ist es wieder, wie damals beim Film „Festen“ (bei dem es um Aufarbeitung von familiärem Missbrauch geht). Unsereins geht raus, ein wenig seufzend, und denkt sich wehmütig: „Hach, Gerechtigkeit. Das war jetzt schön“. Während die meisten Zuschauer das Ganze mutmaßlich eher etwas verstörend fanden. Und bestimmt nicht auf die Idee kämen, man könne das alles womöglich fast schon ein wenig kitschig finden. Was ja übrigens auch mal schön ist. Ein bisschen träumen. Wie schön das wäre, wenn wir auch in Deutschland viele, viele solch cooler Journalisten hätten.

Die Realität sieht ja doch ganz, ganz anders aus. Rühmliche Ausnahmen bestätigen die Regel.

Ich darf Ausschnitte aus meinem Dialog mit einer Redakteurin der „Nürtingen Zeitung“ vor einer Woche zitieren;

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Schweigegebote zerpflücken

Sagte ich irgendwo etwas von Menschen, die als Kinder Gewalt ausgesetzt waren, das irgendwie überstanden haben, und daraus womöglich Lehren und Konsequenzen gezogen haben, von denen wir alle profitieren können; auch unsere von derlei Vorgängen meist eher genierte Gesellschaft?

Ein feines Gespür dafür, wenn sich Leute unverfroren Konflikte und Erfahrungen vom Leib halten, die sie stören könnten in ihrem bequemen Vertrauen in den Status Quo, würde ich mal sagen, hat beispielsweise Gerd Burmann entwickelt. Vielleicht hätte er das ja auch so, aber ich vermute mal, dass seine eigenen Erfahrungen seine Wahrnehmung geschärft haben. So kann er genau sehen und darlegen, wenn und wie Opfer zum Schweigen gebracht werden sollen, und dazu, nicht so verstörend daherzureden.

Hier mal eine Kostprobe; und am besten selber lesen; Link s.u.

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Aloisius-Kolleg am Theater Bonn

Ich zitiere einfach mal den Autoren von „Bilder von uns“, Thomas Melle, der schon viele Theaterstücke geschrieben hat, und sich jetzt des Themas sexuelle Gewalt angenommen hat. Er war Schüler am (von sexueller Gewalt kontaminierten) Aloisius-Kolleg.

„Es gibt im Stück den Satz: „Verdrängung ist das, was uns über Wasser hält.“ Verdrängung ist negativ konnotiert, trotzdem brauchen wir sie. Sonst würden wir von der Masse der Erinnerungen erschlagen. Und auch hinsichtlich dieses Prozesses der Kontaminierung: Wenn man ein Erinnerungsfragment aus der Kindheit für schlecht hält, kann dieser Vergiftungsprozess dann auch auf völlig harmlose Dinge übergreifen.“

https://www.choices.de/ein-kampf-um-die-deutung-der-vergangenheit

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/kultur/Buehnenstueck-Bilder-von-uns-behandelt-Missbrauch-am-Aloisiuskolleg-article1803485.html

Uraufführung am 16.1. in Bonn.