talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


Hinterlasse einen Kommentar

Somatic Experiencing – eine Annäherung

„Mit der bequemen Abkürzung PTBS – Posttraumatisches Belastungs-Syndrom, die im Dienste wissenschaftlicher Leidenschaftslosigkeit steht, hat man die archetypische Reaktion auf Gemetzel von ihren rasenden Ursprüngen künstlich abgeschnitten“.

„Für Traumatisierte ist es nicht in Ordnung, sich so zu fühlen, wie sie sich fühlen, weil ihr Körper für sie zum Bewahrer von Schrecken und Entsetzen geworden ist.“

(Peter Levine, Sprache ohne Worte. Münschen 2010,  S. 175)

Die meisten von Krankenkassen finanzierten Therapien setzen über den Intellekt an, beim Denken. Es wird Ursachenforschung betrieben und / oder an konkreten Verhaltensweisen gearbeitet, meist über Gespräche, manchmal auch mit konkreten Übungen. Der Körper bleibt allermeist außen vor. Diese Ansätze sind hilfreich aber in den vergangenen Jahren hatte ich den Eindruck, dass sie bei mir an ihre Grenzen gestoßen sind. Also habe ich mich mit „Somatic Experiencing“ beschäftigt, zunächst durch Lektüre, und hatte jetzt auch einige Sitzungen bei einer erfahrenen Therapeutin.  Von der Lektüre und meinen Erfahrungen werde ich ein wenig berichten.

Nach der Lektüre von Levine, einem der wichtigsten Forscher und Vertreter des Ansatzes „Somatic Experiencing“ würde ich sagen: In meinem Kopf herrscht gute Ordnung. Die Leitlinie „gewaltfrei und in förderlichen, konstruktiven Beziehungen leben (privat und sonst auch)“ führt sehr weit, auch in der Betrachtung der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Strukturen. Da ist dann vieles in Frage zu stellen und zu ändern. Das führt weit.

Das gelingen zu sehen, vermittelt ein Gefühl von Stärke und Selbstbestimmtheit.

In meinem Körper hingegen herrscht ziemliches Chaos. Der Wechsel zwischen Stress und Ruhe ist völlig durcheinander, schier ein Ding der Unmöglichkeit; früher gab es nur durch Zusammenbrechen nach totalem Auspowern Ruhe; und Entspannung bedeutete (und bedeutet oftmals heute noch): Zeit für weitere Trauma-Verarbeitung; sobald auch nur ein wenig Zeit und Energie da ist, drängt alles mögliche hoch. Was dann nicht erholsam, sondern total anstrengend ist. Weiterlesen


Ein Kommentar

„Was machen wir mit dem Elefanten im Raum“? Zwei Bücher von Betroffenen über Aufarbeitung von Sexuellem Kindesmissbrauch

Wer als Kind oder Jugendliche/r sexueller Gewalt ausgesetzt wurde, hat im Großen und Ganzen drei Möglichkeiten:

Verdrängen. Kann irgendwann schiefgehen, richtet im allgemeinen schwere Kollateralschäden bei den nahen Mitmenschen an, kostet Energie und Lebensfreude.

Behaupten, man komme zurecht. Man sei stark und jedenfalls stärker als – .

Oder es ablehnen, das Ganze als Privatangelegenheit zu betrachten, zu der das Geschehen den Opfern gerne erklärt wird, und die Aufmerksamkeit auf den Elefanten im Raum zu lenken versuchen, den niemand sehen möchte: Nicht etwa das private Schicksal, sondern die unheimliche Menge an privaten Schicksalen in unserer Gesellschaft, die an der Bürde tragen, Integrität und Würde früh im Leben durch sexuelle Übergriffe verloren zu haben, die für die Täter/innen wenig bis meist keine Konsequenzen hatten.

Die beiden Autoren, deren kürzliche erschienene Bücher zum Thema ich hier vorstellen möchte, bewegen sich zwischen diesen Polen; wie vermutlich die meisten Betroffenen. Der eine weigert sich, politisch zu werden, der andere, sein persönliches Erleben von Missbrauch als einmalig und an sich aufschreibenswert zu erachten.

„Mein Fall“ und „Damit es aufhört“ – die beiden Titel zeigen die unterschiedlichen Intentionen von zwei schmalen Bänden, die doch vom Gleichen sprechen: Als Schüler an einer katholischen Schule sexueller Gewalt durch Kleriker ausgeliefert gewesen zu sein. Und was passiert, wenn man wagt, das woanders als im strikt privaten Kreis zu thematisieren.

Den einen, Matthias Katsch, hat das Aufbrechen und Publikwerden des Geschehenen quasi zehn Jahre lang verpflichtet: Dazu, es aufzuarbeiten, aber nicht nur für sich selbst. Weiterlesen