talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


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. . . und in den „Niederungen“ der Kirchengemeinden – passiert: Nichts

Wie eigentlich ist es um die angebliche Bereitschaft bestellt, Betroffene in den Aufarbeitungs-Prozess einzubinden? Veranstaltungen zum Thema Kirche und Missbrauch; Prävention und (womöglich!) Aufarbeitung, gibt es derzeit tatsächlich. Sie bieten Kirchen-Funktionären eine willkommene Bühne, um Kirchenvolk und Publikum zu beruhigen und vom angeblich so vorbildlichen Engagement gegen sexuelle Gewalt zu berichten. Weit und breit keine Betroffenen auf den Podien. Nur ein Beispiel:

https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Verdraengung-oder-Aufklaerung-409781.html

Da rutschen dem Herrn Generalvikar (er ist der Stellvertreter des Bischofs) schon mal so Worte heraus, wie: „Viele Opfer sind gestorben“. Viel wichtiger sei, was getan wird, damit es nicht wieder passiert. Der gleiche zweitmächtigste Mann der Diözese behauptet auch, die Opfer wollten gar keine Aufarbeitung.

https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Verdraengung-oder-Aufklaerung-409781.html

Es ist ja niemand da, um zu widersprechen. Und der- oder diejenige würde sich vermutlich sehr einsam fühlen.

Für eine Podiumsdiskussion in Ulm waren die Veranstalter so mutig, eine Betroffene aufs Podium zu bitten. Die ursprüngliche Idee war, Orgelspiel die Stimme der Betroffenen symbolisieren zu lassen. Man wollte „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ spielen lassen. Am Ende setzten sich die Veranstalter durch. Aber die Betroffene musste in einer Kirche (für sie ein Tatort), und mit einer Person auf dem Podium, die sie verleumdet und ihre Glaubwürdigkeit angezweifelt hatte, ihre eigene Stimme erheben.

Die Bedingungen waren ungünstig; es war eine harte Nervenprobe. Aber niemand wagte  mehr zu behaupten, die Opfer wollten keine Aufarbeitung, und überhaupt sei das doch alles vorbei und lange her. Und dafür gab es vom Publikum Beifall. Zu durchsichtig die Verweigerung der Aufarbeitung und das ewige Hinweisen auf Präventions-Bemühungen.

Es war auch eine harte Nervenprobe für die Veranstalter, nebenbei bemerkt. Man fürchtete sich vor der Konfrontation. Letztlich haben alle sie ausgehalten. Mehr zu dieser Veranstaltung in einem späteren Beitrag.

Auch symptomatisch: Der für den 18. November ausgerufene „Gebetstag“ für die Opfer sexueller Gewalt durch Kirchenmitarbeiter/innen. Er stand zwar prominent auf der Homepage des Bistums Rottenburg-Stuttgart. Kirchgänger berichten aber, es habe an dem Tag weder die Fürbitten für die Opfer gegeben (die immerhin auf der Site bereitgestellt waren), noch sei das Thema sexuelle Gewalt überhaupt angesprochen worden. Ein Pfarrer wusste gar nichts von der Initiative.

Beim Bistum heißt es, die Initiative der Bischofskonferenz sei ja nicht zwingend in jedem Bistum umzusetzen. Aber für einen Hingucker auf der Homepage, der Gewissen und Misstrauen beruhigt, ist sie schon gut.

Und wie sieht es bei der vielbeschworenen Prävention aus, die man statt der Aufarbeitung propagiert, um sich der schmerzlichen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, und – horribile dictu – noch lebenden Opfern von sexueller Gewalt zu entziehen?

Bei Veranstaltungen propagiert, hält sich die Begeisterung und Kooperations-Bereitschaft vor Ort sehr in Grenzen, wie dieser Artikel beschreibt:

https://www.ntz.de/suche/suchergebnis/schutzkonzepte-bleiben-haeufig-auf-der-strecke/

Ich zitiere: „Auf unsere Interview-Anfrage zum Thema sexueller Missbrauch in der Kirche antwortet man kurz und knapp: „Bei uns gibt es keinen Bedarf.“ Auf die Nachfrage, welche Schutzmaßnahmen man bereits umgesetzt habe, gab es gar keine Antwort.“

Ich bin mir sehr sicher, dass das Alles der Bistumsleitung bekannt ist. Genau wie die Tatsache, dass das Ausrufen von Gebetstagen und die Behauptungen, man wolle Betroffene hören, lediglich Propagandazwecken dienen.

Es sieht so aus, als würden die Autoren der MHG-Studie recht behalten, die warnen vor einer Ausarbeitungs-Simulation ohne Opfer und der Flucht in die „Prävention“. Hier in Anführungszeichen, denn Prävention ohne Aufarbeitung kann überhaupt nicht funktionieren.

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Akteneinsicht – Rehabilitation – Wiedergut-machung: An die Gemeinde St. Kolumban

Sehr geehrte Damen und Herren,

leider haben Sie weder auf meine Bitte um Akteneinsicht reagiert, noch auf meinen Hinweis auf Verletzung des Datenschutzes durch Weitergabe meiner Daten.

Ich möchte nunmehr aufgrund der Tatsache, dass sich Daten von mir in der Täter-Akte befinden, und mich berufend auf die Datenschutzgrundverordnung, Akteneinsicht erzwingen.

Bezüglich meines Anliegens und der unerlaubten Weitergabe meiner Mail-Adresse an Justiziar R**** werde ich mich auch an den Landesbeauftragten für Datenschutz wenden.

Ich möchte auch noch einmal auf einem Aufarbeitungsprozess in der Gemeinde St. Kolumban bestehen.

Es geht nicht an, dass Pfarrer Niedermaier in Ehren bleibt, und ich die Ausgegrenzte bleibe, und man sich in Präventionsgehabe ergeht.
Ohne Aufarbeitung ist dieses, laut MHG-Studie, wirkungslos.
Ich erwarte, dass den hehren Worten der Bischöfe endlich Taten folgen. Was Sie tun, ist weiter Schweigen und Aussitzen.

https://talkingaboutsexualtrauma.wordpress.com/2018/08/21/offener-brief-an-kirchengemeinden-die-von-sexuellem-missbrauch-durch-priester-oder-mitarbeiter-betroffen-sind/
Dieses Dokument ist von 20 Personen der Zivilgesellschaft unterzeichnet (auch Nicht-Betroffenen; falls das den Wert des Dokuments für Sie erhöhen sollte), sowie von so ziemlich allen Betroffenen-Initiativen im Bereich Kirchen.

HANDELN SIE ENDLICH.

Freundliche Grüße von
Astrid Mayer


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Wenn die Missbrauchs-Opfer kommen. . .

. . . ist der Bischof lieber im Pressehaus zum Interview. Jedenfalls war das so bei der Veranstaltung des Martinushauses in Aschaffenburg „Missbrauch in der Kirche – Verantwortung übernehmen“, am 31. Oktober.

https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/veranstaltung-zum-thema-missbrauch-verantwortung-uebernehmen/

Oder er ist ganz woanders; wo Bischof Stephan Ackermann bei der Veranstaltung zum Thema am 29. Oktober in Trier war, wissen wir nicht. Immerhin ist er der Missbrauchs-Beauftragte. Eine öffentliche Veranstaltung zum Thema „Verantwortung der Kirche beim Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder“ sollte ihn also ganz besonders NICHT interessieren.

Ein Pressevertreter des Main-Echo schrieb zwar in Aschaffenburg eifrig mit, aber erschienen ist im Blatt bisher lediglich das Interview mit dem Bischof. Überschrift: „Bischof: Missbrauch ist ein Verbrechen“. Ach so, er weiß bescheid. Er gehörte offenbar auch nicht zu denjenigen, die sagten, man müsse den Betroffenen zuhören. Oder finden die Herren einfach, man sollte den Betroffenen im privaten Rahmen einer gnädig gewährten Audienz zuhören, aber keinesfalls auf öffentlichen Veranstaltungen? Die beiden Herren sollten auf ihren Ober-Bischof hören:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kardinal-marx-zu-missbrauchsstudie-haben-opfern-zu-wenig-zugehoert-15806028.html

Immerhin war es das erste Mal, dass eine kirchlich organisierte Veranstaltung öffentlich Betroffene zu Wort kommen ließ. Eigentlich ein Grund, sich zu schmücken. Aber dieser PR-Aspekt wurde wohl übersehen; man kann da eben nicht kontrollieren, was so gesagt wird.

Bei beiden Veranstaltungen wurde klar, dass viele Menschen, Katholiken, sich alleine gelassen fühlen mit der moralischen Verantwortung für die in ihrer Kirche begangenen Verbrechen. Viele der Anwesenden haben mich beeindruckt. Z.B. die Frau, die erzählte, wie sie nach dem Gottesdienst den Priester ansprach, und ihr Bedürfnis nach Veränderung ausdrückte. Der Priester habe ihr gesagt, es solle und werde sich nichts ändern. Worauf sie ihm geantwortet habe, dass er sich umsehen möge, wer in den Gottesdienst gekommen sei. „Diese Menschen sind in zehn Jahren tot, und dann ist die Kirche leer“.

So viel Fantasie scheinen die Kirchenführer nicht zu haben. Mich hat auch die Treue bewegt, die viele Menschen dieser in autoritären Strukturen erstarrten Kirche halten. Oder vielleicht halten sie die Treue eher Jesus oder Gott, und möchten den Rahmen nicht missen, in dem sie das gemeinsam mit anderen tun können. Aber diejenigen, die diese Kirche lebendig halten möchten, scheinen es schwer zu haben.

Eine Betroffene berichtete, der Priester, der sie unterstützt habe, als sie den Täter anzeigte, sei derart gemobbt worden, dass er das Bistum verlassen musste.

Als Nicht-Katholikin und Atheistin, die Religion eher für schädlich hält, muss ich sagen: Ich habe Menschen getroffen, für die sie ein Halt ist, und die sie nicht ausschlachten, um anderen Vorschriften zu machen, oder sich Macht über andere zu verschaffen und damit auch materielle Vorteile.

Ich bedaure, dass die katholische Kirche für solche Menschen kein sicherer Ort ist, weil sie ihren Oberen nicht vertrauen können, und in dieser autoritär strukturierten Institution keinerlei Einfluss nehmen können. Warum fordert die Politik nicht eine Demokratisierung der Kirche? Aus Angst vor einer Institution, die zunehmend sich leerenden Kirchen vorsteht? Das heißt, sie im Stich zu lassen.

Genau wie es heißt sie im Stich zu lassen, wenn man nicht die Anwendung säkularen Rechts verlangt und auch durchsetzt. Traurig genug, dass auch das nun – wie die Maßnahmen zur Absenkung der Giftstoff-Konzentrationen in unserer Atemluft – zur Sache von Juristen geworden ist:

http://www.blog-rechtsanwael.de/es-darf-keine-rechtsfreien-raeume-geben-strafanzeige-wegen-der-missbrauchfaelle-in-der-katholischen-kirche/

 

 

 

 

 


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Bischof Fürst und die Missbrauchs-Kommission von 2002: Eine Täterschutz-Kommission

Die katholische Kirche reagiert hektisch auf die Krise nun auch in Deutschland, ausgelöst durch die Veröffentlichungen der Mindestzahlen, was sexuellen Missbrauch durch Kleriker angeht. Wieder werden Scham und Bedauern ausgedrückt, zum Beten aufgefordert, und – einige waschen auch ihre Hände in Unschuld. So Bischof Fürst in einer Meldung der katholischen Nachrichten-Agentur vom 17. 9. 2018. Ich zitiere: „“Die württembergische Diözese sei die bundesweit erste gewesen, die bereits im Jahr 2002 eine unabhängige Expertenkommission eingesetzt habe“. Ich hatte 2005 mit dieser Kommission eine niederschmetternde (im wörtlichen Sinn zu nehmen) Begegnung. Diese Kommission war eine Täterschutz-Kommission, die mich mit meinem Anliegen ungespitzt in den Boden gehauen hat.

Dass nun zur Rechtfertigung auf dieses Kommission verwiesen wird, empfinde ich als Hohn. Der jetzigen Vorsitzenden, die ehemalige CDU-Familien-Ministerin Monika Scholz, ist sehr wohl bekannt, wie destruktiv deren Arbeit für mich damals war, und wie unprofessionell vorgegangen wurde. Bzw. durchaus professionell: Im Sinne des Täterschutzes. Die Retraumatisierung des Opfers wurde billigend in Kauf genommen. Vermutlich wurde an meinen möglichen Zustand kein Gedanke verschwendet. Der Furor, mit dem der Justiziar Rheus damals seine Institution verteidigte, war auch 2011 noch nicht vergangen, als er für meine öffentliche Diskreditierung sorgte, und noch vor Gericht seine unsägliche, frei erfundene und durch nichts untermauerte Version der Geschehnisse von sich gab. Der Richter musste ihn ermahnen, das zu unterlassen.

Justiziar Rheus ist noch immer in der Kommission; der Geschäftsführer ist ebenfalls ein Kirchenjurist. Diese Kommission wird auf der Homepage des Bistums als „unabhängig“ bezeichnet! http://www.drs.de/rat-und-hilfe/hilfe-bei-missbrauch.html Das ist schlicht eine Lüge. Die Mehrheit der Mitglieder sind Kirchenangestellte, unter ihnen viele Juristen: http://www.drs.de/rat-und-hilfe/hilfe-bei-missbrauch/kommission-sexueller-missbrauch.html?L=892. Eine unabhängige, Betroffene unterstützende Kommission, die professionell arbeitet, sieht anders aus. Mir wurde übrigens damals nicht mitgeteilt, dass es eine Missbrauchs-Kommission gebe. Wozu auch? Sie war nicht für mich, zu meiner Unterstützung da, sondern zum Schutz der Institution. Ihre Existenz entdeckte ich 2010 bei Recherchen.

Wie die Kommission 2005 vorging, habe ich hier beschrieben: https://talkingaboutsexualtrauma.wordpress.com/2018/08/29/was-passierte-nachdem-ich-den-pfarrer-angezeigt-hatte-oder-wie-es-nicht-gehen-kann/

Ich wüsste gerne, wie sich die damaligen Mitglieder der Kommission zum Vorgehen von Justiziar Rheus positionieren. Ich finde, man schuldet mir eine Erklärung. 2010 war ein Kinderarzt Mitglied der Kommission: Wußte er, wie opferfeindlich vorgegangen wurde? Hat er das mitgetragen?

Die „Anerkennungszahlung“ habe ich stets als sehr niedrig angesetztes Schmerzensgeld für die mir angetanen  Retraumatisierungen (2005 und 2010) betrachtet. Aufarbeitung ist so etwas nicht. Es ist Institutionenschutz.

 


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Was passierte, nachdem ich den Pfarrer angezeigt hatte oder: Wie es NICHT gehen kann

Dieser Blog ist keine Klagemauer, meine Geschichte hielt ich schon immer für banal (im Sinne von gewöhnlich). Aus gegebenem Anlass – dem offenen Brief an die Kirchengemeinden – möchte ich aber hier schildern, wie es mir, Opfer eines übergriffigen Pfarrers, erging, als ich mich nach 32 Jahren endlich entschloss, den Pfarrer bei seiner Kirche anzuzeigen. Es war das Einzige, was ich noch tun konnte, denn seine Übergriffe – Gefummel bis zur manuellen und genitalen Vergewaltigung im Jahr 1973 – verjährten bereits an meinem 18. Geburtstag. Da hatte ich zwar Erinnerungen, verharmloste sie aber völlig.

Ich habe Pfarrer Niedermeier, der bis zu seiner Rente in Unterboihingen bei Stuttgart tätig war, 2005 bei der Kirche angezeigt. Ich hoffte auf Mitgefühl und Unterstützung. Sehr naiv, ich weiß, ‚Tschuldigung. Was ich bekam, waren Briefe, die mir sagten, man befrage jetzt den Pfarrgemeinderat und den Pfarrer. Dann, dass diese von nichts wüßten und dass das alles ohnehin nicht sein könne. Dann, ich möge die Vorwürfe zurückziehen. Keinerlei Angebote für Unterstützung natürlich. Erster Teil der Viktimisierung.  Weiterlesen


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Offener Brief an Kirchengemeinden, die von sexuellem Missbrauch durch Priester oder Mitarbeiter betroffen sind

Die weltweit erste Untersuchung sexueller Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche durch eine staatliche Stelle hat Erschreckendes zutage gefördert: Es wurde missbraucht, verharmlost und vertuscht bis in die höchsten Ebenen.  Leider gibt es keinen Grund zu glauben, dass das in Deutschland anders aussähe. Entsprechend werden Whistle-Blower – und das sind Missbrauchs-Opfer, die von der Kirche Rechenschaft und Genugtuung verlangen – von den deutschen Kirchen behandelt. Von evangelischer wie katholischer Kirche.

Opfer sexueller Gewalt durch Kirchen-Angehörige sind auch in Deutschland Bittsteller, die abgewehrt und mit heimlichen Zahlungen abgespeist werden, damit die Geschehnisse anschließend wieder mit dem Mantel des Schweigens verhüllt werden können. Das muss ein Ende haben. Die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch durch Priester und kirchliche Mitarbeiter muss in eine neue Phase treten. Sie braucht die aktive und proaktive Mitarbeit der Gemeinden und aktuellen Priester, Diakone und engagierten Laien.

Die Berichte Betroffener zeigen überall opferfeindliche Muster. Das hat u.a. das öffentliche Hearing „Kirchen und ihre Verantwortung zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“ am 27. Juni 2018 gezeigt.* Nur Menschen mit starken Nerven, viel Energie und Unterstützung können sich auf diesen aufreibenden und harten Weg machen, von der Kirche Genugtuung zu fordern, wenn sie als Kinder von Mitarbeitern  der Kirche sexualisiert misshandelt wurden. Die meisten Menschen nehmen lieber Abstand, und das ist kirchlicherseits auch so gewollt.

Die bisherigen „Prozesse“, die die Kirche eher den Betroffenen als den Tätern gemacht, kann und muss man als kollektive Retraumatisierung der Opfer bezeichnen: Unbeantwortete Briefe, „Verhöre“, bei denen z.T. Staatsanwälte im Ruhestand eingesetzt werden, Juristen in den kirchlichen Missbrauchs-Kommissionen (deren Mitglieder meist mit dem Thema sexuelle Gewalt nicht vertraut sind), Weitergabe von Daten an Täter. Und dann – nur, wenn Verschleppung und Abwehr nicht funktionierten – eine heimliche „Anerkennungszahlung“ lächerlichen Ausmaßes. Eine sekundäre Viktimisierung der Opfer ist so fast vorprogrammiert.

Schöne Worte, „Scham und Trauer“ oder päpstliche Briefe helfen nicht. Es braucht:

  • Eine zentrale Dokumentation der Missbrauchsfälle, öffentlich zugänglich.
  • Unabhängige Missbrauchs-Kommissionen, die nach Standards arbeiten
  • Die Suche nach weiteren Opfern, wenn sich eine Gemeinde als betroffen erweist
  • Konkrete Angebote der Unterstützung (statt Diskreditierung und Diskriminierung!) an diese – alles andere ist unterlassene Hilfeleistung!
  • Angemessene Entschädigungen
  • Den ehrlichen Willen zu Aufklärung der Taten und Unterstützung der Betroffenen

Dazu müssen zuerst die bisher anerkannten Opfer erneut gehört werden, und zwar mit Unterstützung unabhängiger Mediatoren/innen. Die Fälle gehören auf die Homepage der Gemeinden, mit Angabe einer UNABHÄNGIGEN Stelle, an die sich weitere Opfer wenden können, und Hilfsangeboten. Die Gemeinde-Mitglieder brauchen Hilfe in Form von Seelsorge und Unterstützung von außen, um die Tatsache zu verarbeiten, dass ihre Spiritualität von einem Kindes-Missbraucher ebenfalls missbraucht wurde.  Sie können sonst die Geschehnisse nicht wahrhaben und müssen Opfer weiter ausgrenzen.

Wir fordern Taten statt Worte. Endlich.

Informationen zum Hearing: https://www.aufarbeitungskommission.de/meldung-27-06-2018-kirchen-und-ihre-verantwortung-zur-aufarbeitung-sexuellen-kindesmissbrauchs/

Der vollständige Bericht der Grand Jury aus Pennsylvania ist hier zu finden: https://content-static.ydr.com/documents/pa-grand-jury-clergy.pdf

Rückfragen und Rückmeldungen an:   nicht-die-einzige@web.de

 

Unterschrieben von:

 

Kerstin Claus, Mitglied im Betroffenenrat

Tina Dewes, Betroffenenbeirat ergänzendes Hilfesystem EHS/FSM und Hannah Stiftung

Christian Fischer, Initiative Ehemaliger Johanneum Homburg

Bernd Held, Initiative Ehemaliger Johanneum Homburg

Matthias Katsch, ECKIGER TISCH e.V.

Prof. Heiner Keupp, Mitglied der Unabhängigen Aufarbeitungskommission

Anselm Kohn, Initiative Missbrauch in Ahrensburg

Matthias Mala, Schriftsteller

Astrid Mayer, Betroffene Gemeinde Unterboihingen im Bistum Rottenburg-Stuttgart

Hans-Martin Münch

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, Opfer von sexualisierter Misshandlung im familiären Umfeld, ehrenamtliche Mitarbeit beim Fonds Sexueller Missbrauch

Winfried Ponsens, Mitglied im Betroffenenbeirat des EHS, Geschäftsführer MoJoRed (Missbrauchsopfer Collegium Josephinum Bonn und Redemptoristen e. V. )

Alexander Probst, Betroffener „Domspatzen“

Hermann Schell, „Schafsbriefe“

Heiko Schnitzler ECKIGER TISCH BONN e.V.

Thomas Schnitzler, Betroffener Bistum Trier

Gottfried Schoedl, Domspatzen / Etterzhausen

Henning Stein, Betroffenenbeirat ergänzendes Hilfesystem EHS/FSM

Jürgen Sterk, Betroffener Bistum Freiburg

Sylvia Witte, Betroffene Redemptoristen, 1. Vorsitzende MoJoRed e.V. und Mitglied im Betroffenenbeirat EHS/FSM

Detlev Zander, Betroffener und Sprecher von „Missbrauch in der Brüdergemeinde Korntal“

 

Brief wurde am 3. September an Presse und versch. kirchliche Stellen verschickt.


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„Tat jenseits des Vorstellbaren?“ So lässt man Kinder vor die Hunde gehen

Warum nehmen mich diese Informationen noch viel mehr mit: Dass der Täter, der für die Prostitution und massive sexualisierte Misshandlung des 9Jährigen mit verantwortlich ist, einschlägig vorbestraft war, nur knapp der Sicherheitsverwahrung entging, und Jugendamt wie Polizei bekannt war, dass er dennoch Umgang mit dem Jungen hatte? Dass ein Gericht die Rückkehr des Jungen in die Familie ERZWANG, den das Jugendamt in Obhut nehmen lassen wollte?
http://www.badische-zeitung.de/zerschlagener-paedophilenring-im-breisgau-ein-dorf-steht-unter-schock

Man hätte so vieles verhindern können. Verhindern MÜSSEN. Aber es heißt ja allenthalben, es handle sich um eine Tat „jenseits des Vorstellbaren“ (Badische Zeitung) http://www.badische-zeitung.de/missbrauchsfall-eine-tat-die-jenseits-des-vorstellbaren-ist , die „Einblick in menschliche Abgründe“ gebe http://www.sueddeutsche.de/panorama/missbrauch-menschliche-abgruende-1.3823555 Gleichzeitig wird versucht, das Geschehen woanders zu verorten, und festzumachen, wo dieses Orte sein könnten:  „Aber lauern nicht gerade an idyllischen Orten manchmal die tiefsten menschlichen Abgründe?“ So kann man sich vom Leib halten, dass das ÜBERALL SEIN KANN. UND IST. Weiterlesen