talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


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„Ich finde, das wird verdammt selten gewürdigt“

Ab und zu bekomme ich Hinweise von anderen Missbrauchs-Betroffenen, die sich für Aufarbeitung engagieren. Hier ging es um den Hoexter-Prozess (wie glaubwürdig die Opfermasche des Angeklagten ist, sei mal dahingestellt), und ich fand folgende Überlegungen, die Angelika in diesem Zusammenhang formulierte, bedenkenswert:

„Ich hoffe, ein paar von den Verantwortlichen, mit denen wir seit Jahren um Aufklärung, Wiedergutmachung und Aufarbeitung ringen, lesen diesen Artikel und danken dem Fliegenden Spaghettimonster, dass die meisten Betroffene NICHT an Anderen wiederholen, was man ihnen in der Kindheit einmal angetan hatte. Ich finde, das wird verdammt selten gewürdigt. Viele von uns haben große Teile der Lebenszeit, enorme Energie und viel Geld in die Auseinandersetzung mit dem gesteckt, was andere Menschen zu verantworten hatten. Etliche tun viel mehr für andere Menschen, als sie von denen zurückbekommen. Es gibt viele Nicht-Betroffene, die es sich statt dessen im Leben bequem machen. Ob sowas sinnvoll und erfüllend ist, sei dahin gestellt. Aber es ist wohl vergleichsweise easy.“

Ist so. Und mit etwas Glück haben wir wohl etliche schwere und schwerere Stunden mehr als Nicht-Betroffene; aber vielleicht auch eine intensiver genossene Lebensfreude. Was mich betrifft auch die beruhigende Einstellung: So schlimm wie damals wird’s nie wieder, und es wird immer besser, je weiter weg ich davon komme.


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Film: Horror der Erziehungsheime

Heute Abend bei Arte, 20h15. Wer mag.

Ich mag nicht. Heimerziehung in den 50er, 60er, 70er, 80er Jahren – oft ein Horror. Unglaublich, Skandalös, unvorstellbar. Das zeigt der Film wohl. Einen Vierzehnjährigen, der durch das System vernichtet wird.

Das wissen wir aber doch. Ich will den Film nicht sehen. Ich will einen Film sehen darüber, wie das alles möglich war. Wer da mit wem zusammengeklüngelt hat. Welche Psychopathen warum in diese Heime (als Erzieher) entsorgt wurden. Welche Jugendämter, welche Pfarrer, welche Eltern warum weggeschaut haben, oder das gut fanden.

Ich will gefälligst auch jemanden sehen, der versucht hat, sich dagegen zu wenden, etwas dagegen zu tun, wenigstens ein Kind zu retten. Und das auch geschafft hat. Ich bin überzeugt, dass es das auch gab. Ich will nämlich wissen, wie es anders gegangen wäre und geht.

Und ich will wissen, wie heute weiter die alten Geschichten unter den Teppich gekehrt werden. Ich kenne da das eine oder andere Heim. Menschen, die Halbgeschwister suchen, die die als Jugendliche sexuell Missbrauchte Mutter in einem Heim auf die Welt bringen und abgeben musste. Wo das Kind auf Nimmerwiedersehen verschwand. Und die Mutter wurde zum weiteren Missbrauch an den Freund und (finanziellen) Förderer ebendieses Heims zurückgegeben. Das ist alles nämlich noch lange keine Vergangenheit.

Vorbericht Film „Freistatt“ Arte 20h15

 


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Was „Überleben“ (und endlich einfach leben) wirklich bedeutet

Neulich fragte mich mal wieder jemand: „Geht das denn nie vorbei“? Jemand, die mir nahe steht, wohlgemerkt. Sie hatte mich in einer triggernden Situation erlebt, der ich mich nicht rechtzeitig entzogen hatte.

Dochdoch, wenn ich lange genug lebe, wird es vorbei gehen. Wenn ich früher hätte anfangen dürfen, mich mit all dem zu befassen, statt es Jahrzehnte lang verdrängen zu müssen, wäre ich noch weiter als jetzt (und ich bin schon sehr zufrieden). Heilung ist möglich. Aber darum geht es nicht.

Mich wird man nie loswerden, und wenn ich zehnmal endlich ohne mit der Wimper zu zucken einen katholischen Gottesdienst über mich ergehen lassen kann, ohne Angst- oder Heulanfälle zu bekommen (was jetzt nicht wirklich mein vorrangiges Lebensziel ist).

Es ist schließlich noch lange nicht vorbei. Ich zitiere die amerikanische Feministin Leah Lakshmi Pieptzna-Samarasinha, die ihre Kindheit und Jugend so beschreibt: „Ich wußte immer, dass es eine Welt gab, in der alles in Ordnung war; und die Welt, die WIR kannten: Wir Mädchen, die durch den Schulhof gingen und völlig aus unseren Körpern gebeamt waren; in engen Kleidern und Make-Up oder in Hoodies und Schlabber-Look. Wir konnten nirgendwo hingehen, außer endlich großwerden und zum Teufel endlich entkommen. Wenn du es einem Verwandten erzählt hättest, wärest Du angeschrieen worden, hättest Du es jemand anderem erzählt, hätte man dich ignoriert, dann angeschrieen, oder ins Heim geschickt. Wo es weiter passiert wäre, aber schlimmer.“

Wem kommt das nicht bekannt vor? Wer ist sicher, dass es heute GANZ ANDERS wäre? Weiterlesen


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Mein Essay über sekundäre Viktimisierung ist erschienen

Themenheft Sexueller Kindesmissbrauch der Zeitschrift „Trauma“

Alle Beiträge der Ausgabe der Zeitschrift wurden von Betroffenen geschrieben. Ich zitiere aus dem einleitenden Aufsatz von Claudia Igney: „Betroffene können die vielen Momente aufzeigen, in denen der Rechtsstaat und das soziale Umfeld nicht vor Gewalt schützte und wo es täterschützende Strukturen gab und gibt. Sie können gleichtzeitig ein lebendes Beispiel dafür sein, dass eine Auseinandersetzung damit möglich, sinnvoll und stärkend ist – auf individueller, zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Ebene.“ (. . . ) „Viele Betroffene leben ein normales Leben und haben dennoch Verstörendes zu berichten. Diese Verstörung in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, gegen die Mechanismen von Abwehr und Vermeidung, darin liegt ein großes Potenzial zur Sensibilisierung“. Sehr schön ausgedrückt, Claudia Igney!

Ich kann ein pdf meines Essays zur Verfügung stellen, wenn es ausschließlich für den privaten Gebrauch verwendet wird (also selbst lesen; Freunden und Bekannten zum Lesen geben). Publiziert werden darf er natürlich nicht. Bitte um Nachricht in der Kommentarfunktion (wird nicht veröffentlicht).


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Mehr koordinierte Wut, mehr Politik: Das wünsche ich mir für 2017

Unsere „Wutbanken“, wie der Philosoph Peter Sloterdijk das angesammelte Potential von Menschen nennt, die sich gegen Misstände und Unterdrückung wehren möchten, sind gut gefüllt – oder? Oder sind Missbrauchsopfer resigniert, fertig, völlig zurückgezogen, auf Hilfe und Führung wartend?

Viele sind das wohl, machen wir uns nichts vor. Wir leben in einer Umgebung, die dafür sorgt, dass man das Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche; Schweigen und Leiden der Überlebenden, möglichst nicht thematisiert. Sekundäre Viktimisierung droht mit all ihren Folgen; Bestrafung und Beschämung der Opfer: Wer möchte sich dem schon aussetzen? Wir sind Freaks (wörtlich übersetzt: Etwas, was anderen Angst macht).

Trotzdem gibt es viele Orte, an denen man etwas tun kann: Das Thema an die Schule der Kinder, an die Vereine, in denen sie sind, herantragen. Fragen, ob es Schutzkonzepte gibt. Um Präventions-Veranstaltungen bitten (da gibt es genügend Ansprechpartner, die so etwas kompetent anbieten; z.B. Wildwasser und Tauwetter). In der eigenen Familie, im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis wach sein, hinhören, Überlebenden zuhören und sie dadurch unterstützen. Das reicht oft völlig: Bereit sein, hinzusehen und zuzuhören.

Politik ist das noch nicht. Die kann erst kommen, wenn das Sprechen über das Thema  Weiterlesen


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Pädophile als „Pflegeväter“ – Senat sträubt sich gegen Aufklärung

„Wir hätten uns mehr Engagement bei der Aufklärung gewünscht“, sagte Teresa Nentwig, die Leiterin der Göttinger Studie zur Causa „Pädophile als Pflegeväter“. Das Göttinger Institut hat Verstrickungen der Berliner Senatsjugendverwaltung zu Pädokriminellen Kreisen  in den 70er Jahren untersucht. Unterlagen zu dem Projekt des Pädagogischen Zentrums Berlin, berichtet Nentwig, seien nur auf Nachfrage zur Verfügung gestellt worden. Der Antrag, die Schutzfrist einer wichtigen Akte zu verkürzen, sei abgelehnt worden. Auch Verbindungen zur Odenwaldschule, in der hunderte von Schülern sexueller Gewalt ausgeliefert waren, wurden bisher nicht näher untersucht.

Aufarbeitung ist die beste Prävention, und solange überall Strukturen geschützt werden, die Missbrauch ermöglichten (und vielleicht noch ermöglichen), sind Bekenntnisse zum Kinderschutz Worthülsen.

Stellungnahme NetzwerkB zum Thema „Pädophile als Pflegeväter“ – Verantwortung des Berliner Senats aufarbeiten

Der Verweis von NetzwerkB auf die geringen Möglichkeiten der Aufarbeitungs-Kommission ist berechtigt: Wie würde ich mich als Opfer des Berliner Senats fühlen (der

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Die Aufarbeitungs-Kommission hat Eigenbedarf an Aufarbeitung

Ich freue mich sehr, dass die Autorin und Publizistin Martha Schalleck sich die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs genauer angesehen hat, und ihre Bedenken in einem Brief formuliert hat. Dieser ist nachstehend hier zu lesen. Schalleck zitiert u.a. aus den Schriften eines der Mitglieder, Peer Briken, der sich bisher vor allem durch Arbeit mit Tätern ausgezeichnet hat (dass diese wichtig ist, wird nicht in Abrede gestellt).

Ich veröffentlich diesen Brief hier auch, weil ich schon ein diffuses Unbehagen hatte, als ich neugierdehalber in Schriften von Frau Andresen stöberte  (auch Mitglied der Kommission) – ich fand da eine merkwürdige „Vorsicht“ klaren Aussagen gegenüber (ich formuliere zurückhaltend). Scheren im Kopf, von denen ich starke Vermutungen habe, woher sie kommen: Dem Einfluss der „Reformpädagogik“ – ich benutze das Wort ja nur noch in Anführungszeichen (Stichwort Odenwaldschule).
Die Mahnungen des Erziehungswissenschaftlers Micha Brumlik, der schon mehrfach eine Aufarbeitung in seinem eigenen Fach forderte, blieben offenbar bisher erfolglos. Vielleicht trägt ja Schallecks offener Brief dazu bei, diese voranzutreiben.

Bevor man sich als Aufklärer betätigt, sollte man sich die eigenen Verflechtungen mit pädokriminellem Gedanken-Gut ansehen.

Weiter zum offenen Brief:  Weiterlesen