talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


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Sexuelle Gewalt und Männer

„Dunkelfeldstudien zu dem Thema geben an, dass etwa fünf bis 15 Prozent der sexuellen Gewalt gegen Jungen und männliche Jugendliche von Frauen ausgeht.“

Als Erstes mal was ganz Wichtiges: Es gibt nicht „die Männer“ und „die Frauen“. Abgesehen davon, dass es noch eine Menge Menschen gibt, die sich irgendwo dazwischen oder ganz woanders fühlen, gibt es überall „Solche und Solche“. Merkwürdigerweise sind die Klischees „Mann als Vergewaltiger“ und „Frau als Opfer“ in der #MeToo Diskussion der letzen Woche aber noch immer stark präsent. Deswegen hier mal ein paar Informationen von fachlicher Seite, nämlich Thomas Schlingmann von „Tauwetter“.

http://www.sueddeutsche.de/leben/sexueller-missbrauch-viele-maenner-verdraengen-jahrelang-dass-sie-missbraucht-wurden-1.3738041

Das Verdrängen ist übrigens keineswegs männerspezifisch, und es ist auch nicht so, dass Frauen sich lieber oder leichter als Opfer / Betroffene (an)erkennen würden als Männer. Wie groß die Unterschiede wirklich sind zwischen den Geschlechtern, wenn es um die Verarbeitung des Erlebens von oder um das Ausüben von sexueller Gewalt geht, ist noch sehr unklar. Schlingmann meint aber, es gebe sehr wohl Unterschiede.  Weiterlesen

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Kann ein Buch über sexuelle Gewalt unterhaltsam sein?!

Es kann. Indeed. Rowling macht’s möglich; man merkt es gar nicht gleich, dass es eigentlich darum geht: In „Criminal Career“, dem dritten Band der Cormoran-Strike-Serie (unter dem Autoren-Namen „Galbraith“, Titel auf Deutsch: „Die Ernte des Bösen“). Ein realistisches Portrait unserer Gesellschaft und ihres Umgangs mit sexueller Gewalt: Tolerieren, die Opfer verantwortlich machen, ignorieren, die Opfer / Überlebenden bevormunden, Täter schützen bzw. straflos ausgehen lassen: Die ganze Pracht; und trotzdem ist das Buch überhaupt nicht deprimierend.

Wie bekommt Rowling das hin?! Und wenn ich mir Leser-Reaktionen so anschaue (auf „Goodreads“ z.B.) – Begeisterung, allermeist. Einige stört es, dass Rowling das garstige Thema so ausgiebig aufgreift. Die meisten nicht.

Zwei Faktoren sind da hilfreich: Rowling führt eine Person ein, die einigermaßen erfolgreich ihren Opfer-Status überwunden hat, und kämpferisch mit dem Erlebten umgeht. Eine sympathische Person: Die Mitarbeiterin oder Partnerin oder wie auch immer ihr Status sein mag des Detektivs Cormoran Strike, Robin Ellacott. Jung, schön, lebensfroh, freundlich, hilfreich, schlau. Sie hat Selbst-Verteidigung gelernt und wendet das im Buch auch erfolgreich an. Weiterlesen


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Wie wird man / frau zum /zur VergewaltigerIn?

Diese Frage ist ja nicht nur aus moralischen Gründen relevant; sie – so oder so – zu beantworten, kann auch Geld in die Kassen diverser Personen oder Institutionen spülen, die mit Lösungen und Therapie-Verfahren aufwarten; s. das ausgezeichnet finanzierte Projekt „kein Täter werden“, das bloß leider kaum Erfolge aufzuweisen hat.

Ich selbst will mit der Erörterung der Frage kein Geld verdienen, bloß wissen, wem ich besser aus dem Weg gehe, und mich darüber auch mit wichtigen Mitmenschen austauschen. Wie ich auf das unten verlinkte Video gestoßen bin, weiß ich nicht mehr recht; war es ein Kommentar auf der von Emma Watson initiierten Lese-Plattform „my shared shelf“? Jedenfalls hat es mich ins Grübeln gebracht.

Einerseits ist es ja herzerwärmend, wenn da zwei Menschen vor der Kamera stehen und von ihrer Erfahrung berichten – wie sie, jung und unerfahren, in die schreckliche Situation gerieten, Opfer und Vergewaltiger zu werden. Ich fand es mutig, damit an die Öffentlichkeit zu gehen (die beiden haben auch eine Buch über ihre „Aufarbeitung“ geschrieben) Weiterlesen


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#MeToo und das Schweigen der Männer

Weil ich gerne auch mal gute Nachrichten verbreite. Und „danke“ sage an Robert Franken für den Post. Und auch Frauen ermutigen möchte: Habt Mut, lass Euch nicht abschrecken durch den absehbaren Spott, das in die „Hexen“- oder „Zicken“-Ecke gestellt werden: Wir sind nicht allein. Schaut bloß mal auf Twitter oder Facebook unter #Metoo: Da ist vielleicht was los! Und Schweigen und Wegsehen ist allermeist die schlechteste Lösung und tut auch uns selbst weh.

Digitale Tanzformation

kristina-flour-185592 Das Schweigen der Männer (Foto: Kristina Flour bei unsplash.com)

Woody Allen. Roman Polański. Harvey Weinstein. Und kein Ende in Sicht. Jetzt kommt ans Licht, wie ein Hollywood-Produzent jahrzehntelang Frauen sexuell belästigte, bedrängte und vergewaltigte. Und Weinstein ist nur die Spitze der Spitze eines ekelhaften Eisbergs. Unter dem Hashtag #MeToo melden sich viele tausend Frauen* zu Wort und berichten von den schrecklichen Dingen, die ihnen widerfahren sind.

Beziehungsweise: Sie berichten in der Regel gar nicht, sondern schließen sich der Aktion mittels kollektiver Nonmention via Hashtag an. Das ist einerseits ob der schieren Menge an Posts sehr erschreckend, andererseits aber auch kaum greifbar – kann man doch in der Regel nicht hinter die einzelnen „Ich-auchs“ blicken.

Und hier liegt ja durchaus eine Gefahr: Die Erfahrungen werden undifferenziert unter einen Hashtag subsumiert. Dennoch ist das in diesem Fall durchaus legitim, bekommen wir dadurch doch einen Eindruck von der „Alltäglichkeit“ und der schieren Masse…

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Aber Lehrpersonal mobben, das übergriffige Kollegen anzeigt

Passt wie die Faust aufs Auge zum letzten Beitrag in diesem Blog: Der Direktor einer hessischen Realschule, der 2001 einen Lehrer seiner Schule wegen sexuell übergriffigen Verhaltens beim Dienstherrn angezeigt hatte, damit dieser von seiner Schule entfernt wird, wurde seinerseits von der Schule entfernt. Man hätte sich „Diskretion“ gewünscht. Verantwortlich für die Bestrafung des Überbringers unguter Botschaft ist ein Staats-Sekretär im hessischen Kultus-Ministerium.

http://www.sueddeutsche.de/bildung/hessen-als-noch-niemand-ueber-missbrauch-sprach-1.3665448

Ein Schelm, wer dabei an reformpädagogische Seilschaften denkt. Zur Erinnerung: 2001, das war zwei Jahre nachdem ein Artikel in der Frankfurter Rundschau über die an der Odenwaldschule herrschende sexuelle Gewalt völlig folgenlos verpuffte. Die Odenwaldschule – mittlerweile mangels Nachfrage geschlossen – war (und bleibt) DAS Aushängeschild der Reformpädagogik.

 


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Studie die Zweite: Gewaltbetroffene in jeder Schulklasse

Knapp 60 Prozent der Jugendlichen haben in den drei Jahren vor einer Umfrage des deutschen Jugend-Instituts sexuelle Gewalt erlebt. Drei Prozent der Jungen und fünf Prozent der Mädchen zu sexuellen Handlungen gezwungen. Jungen reden überwiegend gar nicht über sexuelle Übergriffe, die sie erlitten, Mädchen zu einem Drittel auch nicht. Der Familie vertrauen sich die Wenigsten an: Wenn, dann wird mit gleichaltrigen Freundinnen oder Freunden darüber gesprochen.

4300 Jugendliche wurden befragt, die sich 90 Minuten Zeit nahmen, den Fragebogen auszufüllen. Was das Ergebnis über die Atmosphäre und Kultur aussagt, was Sexualität angeht, ist niederschmetternd: Sexuelle Gewalt und Übergriffigkeit gehört zum Alltagsleben und zur sexuellen Kultur. Fast die Hälfte der Mädchen müssen Witze über ihren Körper über sich ergehen lassen, bei den Jungen sind es mehr als ein Drittel. Über Mädchen werden Gerüchte verbreitet. Porno-Konsum ist, vor allem unter Jungen, weit verbreitet, zehn Prozent der Mädchen wurden sexuell belästigt, und drei Prozent der Jungen.  Weiterlesen


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Viel sexuelle Gewalt unter Jugendlichen

 

„Jeder vierte hat bislang mindestens einmal im Leben, meist jedoch öfter, körperliche sexuelle Gewalt erlebt.“ Das ist kein Zitat aus einem Buch oder Artikel aus den 60er Jahren, sondern aus einer Studie, deren Ergebnisse gerade erschienen:

http://www.sueddeutsche.de/politik/sexuelle-gewalt-gegen-jugendliche-traenen-angst-scham-1.3541552

Ich muss sagen, ich bin platt. Ich dachte eigentlich, auf alles gefasst und mit allen Wassern gewaschen zu sein, wenn es um die Realitäten der sexuellen Gewalt geht. Weit gefehlt. Niemals hätte ich gedacht, dass sie im Leben von Jugendlichen heute so präsent ist. Und sie noch immer nicht wirklich wissen, was eigentlich sexuelle Gewalt ist. Noch immer verharmlost wird, und noch immer tabuisiert oder lächerlich gemacht wird. Also, was man tun kann, steht leider nur im Kommentar zum Artikel; gebe ich aber am Ende meines Beitrags hier noch durch. Zunächst noch ein paar Zitate:  Weiterlesen