talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


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„False Memory Syndrom“ – eine Entgegnung

Es ist eines dieser Ungeheuer von Loch Ness der Presse-Landschaft: Das False-Memory-Syndrom. Aus welcher Ecke es jeweils lanciert wird, dürfte das Wissenswerteste sein, was diese Artikel angeht. Eine geneigte Leserin dieses Blogs hat mir erlaubt, ihren Kommentar an den „Spiegel“ dazu hier zu veröffentlichen.
Wieso eigentlich jetzt gerade das wieder? Merkwürdigerweise kam ja gerade eine weitere interessante Meldung:
Ein Schelm, wer da irgendetwas denkt?
Sehr geehrte Damen und Herren,
mit Entsetzen habe ich den Artikel „Wenn die Tochter dem Vater plötzlich Missbrauch vorwirft“ von Jutta Jüttner gelesen. Selten habe ich im Spiegel oder Spiegel Online einen Artikel gelesen, der ein derart sensibles Thema so einseitig und schlecht recherchiert darstellt.
Dieses „Syndrom“ ist nämlich keinesfalls unumstritten, es ist auch nicht wissenschaftlich anerkannt. Außerdem wird es häufig benutzt, um TäterInnen zu schützen und Opfer sexuellen Missbrauchs zu diskreditieren. Wird so ein Thema dennoch journalistisch aufbereitet, dann erwarte ich, dass die Kritikpunkte und Ungereimtheiten des „Syndroms“ benannt und diskutiert werden. Dies ist leider nicht geschehen.
Im Folgenden führe ich einzelne Kritikpunkte aus:

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Leben und Lieben einer Traumatisierten: „Heart Berries“ von Therese Mailhot

Sie hat getan, was ich (als Traumatisierte) vermieden habe, oder versucht habe zu vermeiden: Liebesbeziehungen eingehen, Kinder bekommen, solange das Trauma unentdeckt und unaufgearbeitet ist. Therese Mailhot, eine Kanadierin indianischer Herkunft, hat darüber ein „Memoir“ geschrieben (korrekt so geschrieben, auf Englisch; das Werk ist bisher nicht übersetzt). Ihr Erstling wurde viel gelobt, es ist ein schmales Bändchen, und ja, es kommt mir vieles sehr bekannt vor. Die Destruktivität, die in nahen Beziehungen steckt, die extremen Stimmungsschwankungen, die Zumutung, als die frau sich ihren Mitmenschen gegenüber fühlt (und die sie durch das Elend in ihr auch immer mal wieder ist).

Ja, es ist eine aufwühlende Lektüre, das empfinden auch Menschen so, die nicht durch die Trauma-Hölle gegangen sind. Und die meisten sind schwer beeindruckt und zollen der Autorin Respekt:

https://www.goodreads.com/book/show/35840657-heart-berries?ac=1&from_search=true

Damit habe ich vielleicht das beschrieben, was für mich an diesem Buch am wichtigsten ist: Dass es Menschen erreicht, trotz der Trostlosigkeit, der Abgründe, der Destruktivität, die das Buch beschreibt. Der Trick mag ein wenig billig sein – eine Liebesgeschichte (wenn dieses Auf und Ab starker und widersprüchlicher Gefühle denn so genannt werden kann) führt durch den Band – Therese ist schwierig, der Freund trotzdem hingerissen, dann kann er nicht mehr, Trennung, sie kommen aber nicht voneinander los, zeugen betrunken ein Kind. Na ja. Ich las das, und dachte: Schon gut, dass ich versucht habe, das zu vermeiden. Auch wenn ich’s nicht ganz geschafft habe, ein Kind habe ich immerhin nicht reingezogen. Weiterlesen


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„Aufklärung“ predigen und Vertuschung praktizieren

Man hatte wohl gehofft, der Redakteur werde mich nicht finden. Acht Jahre lang hatte die Diözese Rottenburg-Stuttgart es geschafft, vor der Öffentlichkeit zu verbergen, dass der Pfarrer der Gemeinde Unterboihingen (mindestens) ein Kommunionkind missbraucht hatte. Und noch acht Jahre später versuchte man einem den Fall neu recherchierenden Journalisten weiszumachen, man habe mir die „Anerkennungs-Zahlung“ quasi aus Mitleid zukommen lassen – weil man gemerkt habe, dass mir „etwas Schlimmes“ passiert sei. Das Auffinden von Kindernacktbildern im Nachlass des Pfarrers wurde einfach verschwiegen.

So geht es weiter mit Vertuschung; es werden Veranstaltungen zu Prävention gemacht, und gleichzeitig wird Aufklärung verhindert, Gläubige werden belogen, damit die Glaubwürdigkeit von Opfern weiterhin fragwürdig bleibt. In Ulm sitze ich mit zwei Mitgliedern einer Missbrauchs-Kommission auf dem Podium, die auf meinen Bericht, wie mich ihr Vorgehen 2005 traumatisierte, mit steinernen Gesichtern reagieren. Weiterlesen


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. . . und in den „Niederungen“ der Kirchengemeinden – passiert: Nichts

Wie eigentlich ist es um die angebliche Bereitschaft bestellt, Betroffene in den Aufarbeitungs-Prozess einzubinden? Veranstaltungen zum Thema Kirche und Missbrauch; Prävention und (womöglich!) Aufarbeitung, gibt es derzeit tatsächlich. Sie bieten Kirchen-Funktionären eine willkommene Bühne, um Kirchenvolk und Publikum zu beruhigen und vom angeblich so vorbildlichen Engagement gegen sexuelle Gewalt zu berichten. Weit und breit keine Betroffenen auf den Podien. Nur ein Beispiel:

https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Verdraengung-oder-Aufklaerung-409781.html

Da rutschen dem Herrn Generalvikar (er ist der Stellvertreter des Bischofs) schon mal so Worte heraus, wie: „Viele Opfer sind gestorben“. Viel wichtiger sei, was getan wird, damit es nicht wieder passiert. Der gleiche zweitmächtigste Mann der Diözese behauptet auch, die Opfer wollten gar keine Aufarbeitung.

https://www.tagblatt.de/Nachrichten/Verdraengung-oder-Aufklaerung-409781.html

Es ist ja niemand da, um zu widersprechen. Und der- oder diejenige würde sich vermutlich sehr einsam fühlen.

Für eine Podiumsdiskussion in Ulm waren die Veranstalter so mutig, eine Betroffene aufs Podium zu bitten. Die ursprüngliche Idee war, Orgelspiel die Stimme der Betroffenen symbolisieren zu lassen. Man wollte „Oh Haupt voll Blut und Wunden“ spielen lassen. Am Ende setzten sich die Veranstalter durch. Aber die Betroffene musste in einer Kirche (für sie ein Tatort), und mit einer Person auf dem Podium, die sie verleumdet und ihre Glaubwürdigkeit angezweifelt hatte, ihre eigene Stimme erheben. Weiterlesen


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Akteneinsicht – Rehabilitation – Wiedergut-machung: An die Gemeinde St. Kolumban

Sehr geehrte Damen und Herren,

leider haben Sie weder auf meine Bitte um Akteneinsicht reagiert, noch auf meinen Hinweis auf Verletzung des Datenschutzes durch Weitergabe meiner Daten.

Ich möchte nunmehr aufgrund der Tatsache, dass sich Daten von mir in der Täter-Akte befinden, und mich berufend auf die Datenschutzgrundverordnung, Akteneinsicht erzwingen.

Bezüglich meines Anliegens und der unerlaubten Weitergabe meiner Mail-Adresse an Justiziar R**** werde ich mich auch an den Landesbeauftragten für Datenschutz wenden.

Ich möchte auch noch einmal auf einem Aufarbeitungsprozess in der Gemeinde St. Kolumban bestehen.

Es geht nicht an, dass Pfarrer Niedermaier in Ehren bleibt, und ich die Ausgegrenzte bleibe, und man sich in Präventionsgehabe ergeht.
Ohne Aufarbeitung ist dieses, laut MHG-Studie, wirkungslos.
Ich erwarte, dass den hehren Worten der Bischöfe endlich Taten folgen. Was Sie tun, ist weiter Schweigen und Aussitzen.

https://talkingaboutsexualtrauma.wordpress.com/2018/08/21/offener-brief-an-kirchengemeinden-die-von-sexuellem-missbrauch-durch-priester-oder-mitarbeiter-betroffen-sind/
Dieses Dokument ist von 20 Personen der Zivilgesellschaft unterzeichnet (auch Nicht-Betroffenen; falls das den Wert des Dokuments für Sie erhöhen sollte), sowie von so ziemlich allen Betroffenen-Initiativen im Bereich Kirchen.

HANDELN SIE ENDLICH.

Freundliche Grüße von
Astrid Mayer


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Wenn die Missbrauchs-Opfer kommen. . .

. . . ist der Bischof lieber im Pressehaus zum Interview. Jedenfalls war das so bei der Veranstaltung des Martinushauses in Aschaffenburg „Missbrauch in der Kirche – Verantwortung übernehmen“, am 31. Oktober.

https://pow.bistum-wuerzburg.de/aktuelle-meldungen/detailansicht/ansicht/veranstaltung-zum-thema-missbrauch-verantwortung-uebernehmen/

Oder er ist ganz woanders; wo Bischof Stephan Ackermann bei der Veranstaltung zum Thema am 29. Oktober in Trier war, wissen wir nicht. Immerhin ist er der Missbrauchs-Beauftragte. Eine öffentliche Veranstaltung zum Thema „Verantwortung der Kirche beim Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder“ sollte ihn also ganz besonders NICHT interessieren.

Ein Pressevertreter des Main-Echo schrieb zwar in Aschaffenburg eifrig mit, aber erschienen ist im Blatt bisher lediglich das Interview mit dem Bischof. Überschrift: „Bischof: Missbrauch ist ein Verbrechen“. Ach so, er weiß bescheid. Er gehörte offenbar auch nicht zu denjenigen, die sagten, man müsse den Betroffenen zuhören. Oder finden die Herren einfach, man sollte den Betroffenen im privaten Rahmen einer gnädig gewährten Audienz zuhören, aber keinesfalls auf öffentlichen Veranstaltungen? Die beiden Herren sollten auf ihren Ober-Bischof hören:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/kardinal-marx-zu-missbrauchsstudie-haben-opfern-zu-wenig-zugehoert-15806028.html

Immerhin war es das erste Mal, dass eine kirchlich organisierte Veranstaltung öffentlich Betroffene zu Wort kommen ließ. Eigentlich ein Grund, sich zu schmücken. Aber dieser PR-Aspekt wurde wohl übersehen; man kann da eben nicht kontrollieren, was so gesagt wird.

Bei beiden Veranstaltungen wurde klar, dass viele Menschen, Katholiken, sich alleine gelassen fühlen mit der moralischen Verantwortung für die in ihrer Kirche begangenen Verbrechen. Weiterlesen