talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


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Viel sexuelle Gewalt unter Jugendlichen

 

„Jeder vierte hat bislang mindestens einmal im Leben, meist jedoch öfter, körperliche sexuelle Gewalt erlebt.“ Das ist kein Zitat aus einem Buch oder Artikel aus den 60er Jahren, sondern aus einer Studie, deren Ergebnisse gerade erschienen:

http://www.sueddeutsche.de/politik/sexuelle-gewalt-gegen-jugendliche-traenen-angst-scham-1.3541552

Ich muss sagen, ich bin platt. Ich dachte eigentlich, auf alles gefasst und mit allen Wassern gewaschen zu sein, wenn es um die Realitäten der sexuellen Gewalt geht. Weit gefehlt. Niemals hätte ich gedacht, dass sie im Leben von Jugendlichen heute so präsent ist. Und sie noch immer nicht wirklich wissen, was eigentlich sexuelle Gewalt ist. Noch immer verharmlost wird, und noch immer tabuisiert oder lächerlich gemacht wird. Also, was man tun kann, steht leider nur im Kommentar zum Artikel; gebe ich aber am Ende meines Beitrags hier noch durch. Zunächst noch ein paar Zitate:  Weiterlesen

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Strukturen des Missbrauchs am Beispiel der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal

„Betroffenenheits-Bullshit-Bingo. Bullshit-Bingo ist ein Spiel, das gerne bei Weihnachtsfeiern in Betrieben gespielt wird. Dazu werden Statements (Platitüden) von Chefs und Abteilungsleitern gesammelt und in einen Text verpackt, zudem werden Bingokarten mit Bullshit-Schlagwörtern angefertigt. Und dann heißt es, seine Bingokarte während des Vortrages oder Sketch am schnellsten fertig zu haben, um Bingo zu rufen und einen Preis zu kassieren. – Hier redet man bei Wikipedia darüber: https://de.wikipedia.org/wiki/Buzzword-Bingo“ (Der Autor des Beitrags)

Lotoskraft

„Das bedauern wir sehr. Und ich weiß, dass damals auch die Mitarbeiter, trotz alledem, mit viel Herzblut und Engagement ihre Arbeit getan haben. Dass diese Dinge in Einzelfällen passiert sind, das tut uns leid und deswegen noch einmal, sind wir sehr erleichtert, dass wir jetzt nach einem langen Weg in der Vorbereitung hin zu einem Aufklärungsprozess jetzt unterwegs sind, damit durch diese Aufarbeitung auch den ehemaligen Heimkindern Anerkennung ihres Leids widerfährt. Das sind wir ihnen schuldig.“

Das Zitat stammt vom Vorsteher der Evangelischen Brüdergemeinde, Klaus Andersen. Er äußerte sich dahingehend in einem Interview mit dem SWR-Fernsehmagazin „Report Mainz“ zu den Vorwürfen sexueller, körperlicher und psychischer Gewalt in seinen Einrichtungen und bedient damit das System, dem er entstammt. Es ist das klandestine System des Wegschauens, der Kumpanei, der Bemäntelung und des Weg- und Schönredens. Hinzukommt noch eine Ideologie, hier Religion, die die Gemeinschaft höher schätzt als jene, die von ihr betreut…

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Klassiker „Date Rape“

Das werden viele kennen, von früher, als man oder frau noch unerfahren waren; und Mist verdammter, wie ich kürzlich las, gibt’s das 30 Jahre später immer noch: „Date Rape“ genannt, weil es passiert mit jemandem, den oder die man/frau freiwillig und hoffnungsvoll in sein Leben gelassen hatte. Und dann hat Man / Frau sich nicht genug gewehrt, gedacht: „Was soll’s“, oder „Mist, jetzt ist es wohl zu spät, nein zu sagen“ – oder wurde schlicht überwältigt, vergewaltigt von jemandem, dem er oder sie vertraute. Und kriegt den Vertrauensbruch nicht verarbeitet, kann sich nicht eingestehen, dass gerade ein Verbrechen stattgefunden hat. Oder man sich was hat „gefallen“ lassen, und es war total falsch und man hat den Ausstieg nicht hingekriegt, und macht sich selbst Vorwürfe. Wer geht da rechtzeitig ins Krankenhaus; und dann womöglich zur Polizei – man hört sie doch alle schon sagen: „Die waren doch zusammen“; oder „Da will sich bloß wer rächen“).

http://kleinerdrei.org/2017/02/ein-brief-an-den-mann-der-mich-missbraucht-hat/

Ich habe hier noch ein Comic zum Thema; und vorher noch ein paar Sätze aus dem Buch „Yes means yes“, die ich übersetze: Weiterlesen


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Film: Horror der Erziehungsheime

Heute Abend bei Arte, 20h15. Wer mag.

Ich mag nicht. Heimerziehung in den 50er, 60er, 70er, 80er Jahren – oft ein Horror. Unglaublich, Skandalös, unvorstellbar. Das zeigt der Film wohl. Einen Vierzehnjährigen, der durch das System vernichtet wird.

Das wissen wir aber doch. Ich will den Film nicht sehen. Ich will einen Film sehen darüber, wie das alles möglich war. Wer da mit wem zusammengeklüngelt hat. Welche Psychopathen warum in diese Heime (als Erzieher) entsorgt wurden. Welche Jugendämter, welche Pfarrer, welche Eltern warum weggeschaut haben, oder das gut fanden.

Ich will gefälligst auch jemanden sehen, der versucht hat, sich dagegen zu wenden, etwas dagegen zu tun, wenigstens ein Kind zu retten. Und das auch geschafft hat. Ich bin überzeugt, dass es das auch gab. Ich will nämlich wissen, wie es anders gegangen wäre und geht.

Und ich will wissen, wie heute weiter die alten Geschichten unter den Teppich gekehrt werden. Ich kenne da das eine oder andere Heim. Menschen, die Halbgeschwister suchen, die die als Jugendliche sexuell Missbrauchte Mutter in einem Heim auf die Welt bringen und abgeben musste. Wo das Kind auf Nimmerwiedersehen verschwand. Und die Mutter wurde zum weiteren Missbrauch an den Freund und (finanziellen) Förderer ebendieses Heims zurückgegeben. Das ist alles nämlich noch lange keine Vergangenheit.

Vorbericht Film „Freistatt“ Arte 20h15

 


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Was „Überleben“ (und endlich einfach leben) wirklich bedeutet

Neulich fragte mich mal wieder jemand: „Geht das denn nie vorbei“? Jemand, die mir nahe steht, wohlgemerkt. Sie hatte mich in einer triggernden Situation erlebt, der ich mich nicht rechtzeitig entzogen hatte.

Dochdoch, wenn ich lange genug lebe, wird es vorbei gehen. Wenn ich früher hätte anfangen dürfen, mich mit all dem zu befassen, statt es Jahrzehnte lang verdrängen zu müssen, wäre ich noch weiter als jetzt (und ich bin schon sehr zufrieden). Heilung ist möglich. Aber darum geht es nicht.

Mich wird man nie loswerden, und wenn ich zehnmal endlich ohne mit der Wimper zu zucken einen katholischen Gottesdienst über mich ergehen lassen kann, ohne Angst- oder Heulanfälle zu bekommen (was jetzt nicht wirklich mein vorrangiges Lebensziel ist).

Es ist schließlich noch lange nicht vorbei. Ich zitiere die amerikanische Feministin Leah Lakshmi Pieptzna-Samarasinha, die ihre Kindheit und Jugend so beschreibt: „Ich wußte immer, dass es eine Welt gab, in der alles in Ordnung war; und die Welt, die WIR kannten: Wir Mädchen, die durch den Schulhof gingen und völlig aus unseren Körpern gebeamt waren; in engen Kleidern und Make-Up oder in Hoodies und Schlabber-Look. Wir konnten nirgendwo hingehen, außer endlich großwerden und zum Teufel endlich entkommen. Wenn du es einem Verwandten erzählt hättest, wärest Du angeschrieen worden, hättest Du es jemand anderem erzählt, hätte man dich ignoriert, dann angeschrieen, oder ins Heim geschickt. Wo es weiter passiert wäre, aber schlimmer.“

Wem kommt das nicht bekannt vor? Wer ist sicher, dass es heute GANZ ANDERS wäre? Weiterlesen


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Sexueller Missbrauch im Sport

„Sport ist, was Missbrauch angeht, gemeingefährlich für Kinder“, sagt der Dozent der Sport-Wissenschaft Thomas Schnitzler. Diese Woche zitiert vom Magazin „Spiegel“, der dem Wegschauen der Sportvereine, wenn es um sexuelle Gewalt in den von ihnen organisierten Trainings und Veranstaltungen geht, einen Artikel gewidmet hat.
„Tatort Sportplatz“
Er referiert die üblichen Klassiker der Missbrauchs-Strategien und der Strukturen, die Missbrauch ermöglichen: Verdachtsmomente unter den Teppich kehren, Täter gehen und woanders sich ihre weiteren Opfer suchen lassen, keine Schutzkonzepte „nötig haben“ (sexueller Missbrauch passiert immer nur woanders), Dachverbände, die Empfehlungen aussprechen, sich aber nicht um die Umsetzung scheren, und ihre Hände genauso in Unschuld waschen wie z.B. die deutsche Bischofskonferenz, wenn’s hart auf hart kommt: Dann hat man leider weder Handhabe noch die nötigen Kompetenzen, Vereine zu zwingen, sich an vereinbarte Standards zu halten.
Der Gipfel von Leichtfertigkeit und Gleichgültigkeit ist wohl die Tatsache, dass in den meisten Bundesländern und Kommunen die Ausschüttung von Subventionen und Fördergeldern nicht an das Vorhandensein eines Schutzkonzepts geknüpft ist.

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Mein Essay über sekundäre Viktimisierung ist erschienen

Themenheft Sexueller Kindesmissbrauch der Zeitschrift „Trauma“

Alle Beiträge der Ausgabe der Zeitschrift wurden von Betroffenen geschrieben. Ich zitiere aus dem einleitenden Aufsatz von Claudia Igney: „Betroffene können die vielen Momente aufzeigen, in denen der Rechtsstaat und das soziale Umfeld nicht vor Gewalt schützte und wo es täterschützende Strukturen gab und gibt. Sie können gleichtzeitig ein lebendes Beispiel dafür sein, dass eine Auseinandersetzung damit möglich, sinnvoll und stärkend ist – auf individueller, zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Ebene.“ (. . . ) „Viele Betroffene leben ein normales Leben und haben dennoch Verstörendes zu berichten. Diese Verstörung in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, gegen die Mechanismen von Abwehr und Vermeidung, darin liegt ein großes Potenzial zur Sensibilisierung“. Sehr schön ausgedrückt, Claudia Igney!

Ich kann ein pdf meines Essays zur Verfügung stellen, wenn es ausschließlich für den privaten Gebrauch verwendet wird (also selbst lesen; Freunden und Bekannten zum Lesen geben). Publiziert werden darf er natürlich nicht. Bitte um Nachricht in der Kommentarfunktion (wird nicht veröffentlicht).