talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


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Aus der Serie „kontaminierte Hochliteratur“: Morrison, Bluest Eye

Es ist gar nicht so, dass Toni Morrisons Erstling so tut, als rede er von was anderem, und eigentlich dreht es sich dauernd, aber nicht explizit, um sexuelle Gewalt. „The Bluest Eye“ (deutsch: „Sehr blaue Augen“) beschreibt Kindsein und Schwarzsein. In dieser Kombination. Inzest kommt da eben auch vor (weil es um Kindsein geht). Ich finde nicht, dass sie Tat und Täter wirklich realistisch beschreibt; oder jedenfalls verlässt sie dabei ihr durchdringender Blick. Es leuchtet mir nicht ein.

Der Rest schon. Sehr. „Bluest Eye“ – der Roman wurde nur ganz allmählich zum Klassiker – vollbringt das Kunststück, das Aufwachsen unter Armut und Rassismus so zu erzählen, dass es gleichzeitig als ganz normal und als völlig verrückt erscheint. Denn die Kinder, die Menschen, die Morrison begleitet, sind ganz normal. Sie empfinden Lebensfreude, Liebe, Angst, Scham, Trauer, Lust. Sie machen das Beste draus, denn sie haben Hoffnung. Zumindest anfangs. Wie das eben so ist.

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Meine Erfahrungen in der Politik

Ansätze von Betroffenen-Politik gibt es in Deutschland: Mit ein wenig Glück werden wir in 20 Jahren so weit sein wie die politische Vertretung „behinderter“ Menschen. Es wird ein selbstverständliches Mitsprache-Recht geben für Betroffenen-Vertreter, die aus eigener Erfahrung wissen, was es bedeutet, sexueller Gewalt ausgesetzt gewesen zu sein.

Sie werden mitreden, wenn es um die Reform von Bildung und Ausbildung von Pädagogen, Pflegekräften, Ärzten, Psychologen, Polizei, Richtern, Rechtsanwälten etc. gehen wird. Wenn es um Gesetzesvorlagen geht, sei es im Entschädigungsrecht, wenn es um Sicherheit in Familie, Sport, Schule geht; oder bei der Aufstellung von Lehrplänen. Dass das Thema nicht in der Schule selbstverständlich behandelt wird, ist eigentlich ein Unding: Ist doch sexuelle Gewalt „das Grundrisiko einer Kindheit in Deutschland“, wie das der Missbrauchs-Beauftragte Johannes Rörig ausgedrückt hat. Man wird Betroffenen-Vertreter befragen, wenn es um die längst überfällige Einrichtung von Professuren geht, die erforschen, warum sexuelle Gewalt in den meisten Zivilisationen so verbreitet ist.

Das wird aber noch eine Weile brauchen. Was haben wir bisher? Weiterlesen


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Film: Horror der Erziehungsheime

Heute Abend bei Arte, 20h15. Wer mag.

Ich mag nicht. Heimerziehung in den 50er, 60er, 70er, 80er Jahren – oft ein Horror. Unglaublich, Skandalös, unvorstellbar. Das zeigt der Film wohl. Einen Vierzehnjährigen, der durch das System vernichtet wird.

Das wissen wir aber doch. Ich will den Film nicht sehen. Ich will einen Film sehen darüber, wie das alles möglich war. Wer da mit wem zusammengeklüngelt hat. Welche Psychopathen warum in diese Heime (als Erzieher) entsorgt wurden. Welche Jugendämter, welche Pfarrer, welche Eltern warum weggeschaut haben, oder das gut fanden.

Ich will gefälligst auch jemanden sehen, der versucht hat, sich dagegen zu wenden, etwas dagegen zu tun, wenigstens ein Kind zu retten. Und das auch geschafft hat. Ich bin überzeugt, dass es das auch gab. Ich will nämlich wissen, wie es anders gegangen wäre und geht.

Und ich will wissen, wie heute weiter die alten Geschichten unter den Teppich gekehrt werden. Ich kenne da das eine oder andere Heim. Menschen, die Halbgeschwister suchen, die die als Jugendliche sexuell Missbrauchte Mutter in einem Heim auf die Welt bringen und abgeben musste. Wo das Kind auf Nimmerwiedersehen verschwand. Und die Mutter wurde zum weiteren Missbrauch an den Freund und (finanziellen) Förderer ebendieses Heims zurückgegeben. Das ist alles nämlich noch lange keine Vergangenheit.

Vorbericht Film „Freistatt“ Arte 20h15

 


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Was „Überleben“ (und endlich einfach leben) wirklich bedeutet

Neulich fragte mich mal wieder jemand: „Geht das denn nie vorbei“? Jemand, die mir nahe steht, wohlgemerkt. Sie hatte mich in einer triggernden Situation erlebt, der ich mich nicht rechtzeitig entzogen hatte.

Dochdoch, wenn ich lange genug lebe, wird es vorbei gehen. Wenn ich früher hätte anfangen dürfen, mich mit all dem zu befassen, statt es Jahrzehnte lang verdrängen zu müssen, wäre ich noch weiter als jetzt (und ich bin schon sehr zufrieden). Heilung ist möglich. Aber darum geht es nicht.

Mich wird man nie loswerden, und wenn ich zehnmal endlich ohne mit der Wimper zu zucken einen katholischen Gottesdienst über mich ergehen lassen kann, ohne Angst- oder Heulanfälle zu bekommen (was jetzt nicht wirklich mein vorrangiges Lebensziel ist).

Es ist schließlich noch lange nicht vorbei. Ich zitiere die amerikanische Feministin Leah Lakshmi Pieptzna-Samarasinha, die ihre Kindheit und Jugend so beschreibt: „Ich wußte immer, dass es eine Welt gab, in der alles in Ordnung war; und die Welt, die WIR kannten: Wir Mädchen, die durch den Schulhof gingen und völlig aus unseren Körpern gebeamt waren; in engen Kleidern und Make-Up oder in Hoodies und Schlabber-Look. Wir konnten nirgendwo hingehen, außer endlich großwerden und zum Teufel endlich entkommen. Wenn du es einem Verwandten erzählt hättest, wärest Du angeschrieen worden, hättest Du es jemand anderem erzählt, hätte man dich ignoriert, dann angeschrieen, oder ins Heim geschickt. Wo es weiter passiert wäre, aber schlimmer.“

Wem kommt das nicht bekannt vor? Wer ist sicher, dass es heute GANZ ANDERS wäre? Weiterlesen


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Sexueller Missbrauch im Sport

„Sport ist, was Missbrauch angeht, gemeingefährlich für Kinder“, sagt der Dozent der Sport-Wissenschaft Thomas Schnitzler. Diese Woche zitiert vom Magazin „Spiegel“, der dem Wegschauen der Sportvereine, wenn es um sexuelle Gewalt in den von ihnen organisierten Trainings und Veranstaltungen geht, einen Artikel gewidmet hat.
„Tatort Sportplatz“
Er referiert die üblichen Klassiker der Missbrauchs-Strategien und der Strukturen, die Missbrauch ermöglichen: Verdachtsmomente unter den Teppich kehren, Täter gehen und woanders sich ihre weiteren Opfer suchen lassen, keine Schutzkonzepte „nötig haben“ (sexueller Missbrauch passiert immer nur woanders), Dachverbände, die Empfehlungen aussprechen, sich aber nicht um die Umsetzung scheren, und ihre Hände genauso in Unschuld waschen wie z.B. die deutsche Bischofskonferenz, wenn’s hart auf hart kommt: Dann hat man leider weder Handhabe noch die nötigen Kompetenzen, Vereine zu zwingen, sich an vereinbarte Standards zu halten.
Der Gipfel von Leichtfertigkeit und Gleichgültigkeit ist wohl die Tatsache, dass in den meisten Bundesländern und Kommunen die Ausschüttung von Subventionen und Fördergeldern nicht an das Vorhandensein eines Schutzkonzepts geknüpft ist.

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Mein Essay über sekundäre Viktimisierung ist erschienen

Themenheft Sexueller Kindesmissbrauch der Zeitschrift „Trauma“

Alle Beiträge der Ausgabe der Zeitschrift wurden von Betroffenen geschrieben. Ich zitiere aus dem einleitenden Aufsatz von Claudia Igney: „Betroffene können die vielen Momente aufzeigen, in denen der Rechtsstaat und das soziale Umfeld nicht vor Gewalt schützte und wo es täterschützende Strukturen gab und gibt. Sie können gleichtzeitig ein lebendes Beispiel dafür sein, dass eine Auseinandersetzung damit möglich, sinnvoll und stärkend ist – auf individueller, zwischenmenschlicher und gesellschaftlicher Ebene.“ (. . . ) „Viele Betroffene leben ein normales Leben und haben dennoch Verstörendes zu berichten. Diese Verstörung in die Mitte der Gesellschaft zu tragen, gegen die Mechanismen von Abwehr und Vermeidung, darin liegt ein großes Potenzial zur Sensibilisierung“. Sehr schön ausgedrückt, Claudia Igney!

Ich kann ein pdf meines Essays zur Verfügung stellen, wenn es ausschließlich für den privaten Gebrauch verwendet wird (also selbst lesen; Freunden und Bekannten zum Lesen geben). Publiziert werden darf er natürlich nicht. Bitte um Nachricht in der Kommentarfunktion (wird nicht veröffentlicht).


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Mainstream-Musikerin Lady Gaga zum Thema Vergewaltigung

Eigentlich vermeide ich es hier, Klischees zu transportieren, vor allem Klischees über Opfer. Sie heulen in ihrer Ecke, sind fix und fertig und brauchen Hilfe. Was natürlich stimmt – und was auch stimmt: Sie bekommen häufig keine Hilfe. Lady Gaga zeigt im Video zu ihrem Song, wie wichtig es ist, nicht alleine zu bleiben.

Vorsicht Trigger-Warnung! Es werden Vergewaltigungs-Szenen gezeigt!

Ein tröstender Arm, wie im Video, ist das Erste, was es braucht, hernach:

  • In die Klinik, Spuren der Gewalt festhalten lassen. Anlaufstellen gibt es in den meisten größeren Städten. Dann steht, wenn man oder frau Anzeige erstatten will, nicht Aussage gegen Aussage, sondern es gibt klare Indizien.
  • Beratungsstelle aufsuchen: Dort kann man juristische und psychologische Beratung bekommen.
  • Das gilt auch für Männer und Jungen, die vergewaltigt oder sexualisiert misshandelt wurden, auch wenn die im Video nicht vorkommen.

Derartige Ratschläge lassen sich schwer in einen Song packen, schätze ich. Also trotzdem Dank an Lady Gaga, dass sie sich des Themas immerhin angenommen hat.