talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


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Weihnachtlich mal anders

Liebe Leserinnen und Leser,

Ich wünsche keine frohe, sondern eine erträgliche Weihnacht, gerne auch froh, und zwar insofern als ohne böse Erinnerungen an die Zeit, in der man dieses Fest noch in der Ursprungsfamilie verbringen musste, und in der man / frau wehrlos und ausgeliefert war.

Lasst uns feiern, dass wir Menschen völlig wehrlose Kinder auf die Welt bringen und sie lieben, beschützen und in die Welt begleiten können. Lasst uns dafür kämpfen, dass es dafür gute Bedingungen gibt, und dass wir alle zwischendurch auch mal schwach sein dürfen, und trotzdem gut aufgehoben sind.

Ich danke für Eure Zeit und Aufmerksamkeit, für die Kommentare und das Lesen. Wieso ausgerechnet Miles Davis diesen rebellischen Christmas-Song gemacht hat, weiß ich nicht: Er hatte eine behütete Kindheit. Weiterlesen

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Merry?! Well. . . tolerable Christmas!

Dear Readers,

I don’t wish you a merry Christmas, but a tolerable one. Well, why not merry – in the sense that it doesn’t trigger bad memories, of the time you spent it in your families as defenceless children at the mercy of transgressive adults.

I do like Christmas, and what I celebrate is the fact, that we human beings are able to bring completely defenceless creature into this world, and capable of loving, protecting and accompagnying them into their adult life. Let us fight for good conditions for parents and children, and for our right to be sometimes weak, but still safe.

I thank you for your time and attention, the comments and the reading. I don’t know why Miles Davis did this rebellious Christmas song – he had a sheltered maybe even happy childhood. Weiterlesen


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Wie „normal“ ist Missbrauch in Alabama – wie ein Täter beinahe Senator wurde

Überraschung: Selbst im Bible Belt ist sexueller Missbrauch (noch) für viele Menschen ein Grund, jemanden nicht zu wählen. Im erz-konservativen Alabama, wo gestern ein Senator gewählt wurde, hat sich wider Erwarten der demokratische Kandidat Doug Jones knapp durchgesetzt. Sehr knapp.

Auch wenn es traurig ist, dass so etwas schon als gute Nachricht gelten muss: Es ist eine gute Nachricht. Die weniger gute Nachricht lautet, dass mehr als 48 % der Wählenden sich eben doch für Roy Moore entschieden haben, den mehrere Frauen beschuldigen, sie als Jugendliche (14Jährige) missbraucht zu haben. Das waren, bei einer unerwartet hohen Wahlbeteiligung (40%), fast 600.000 Menschen.

Man könnte jetzt einfach sagen: Bible Belt, verrückte Amerikaner, die alles wählen, was einen Cowboy-Hut trägt; was geht’s uns an? Aber mich interessierte, wie es geschehen kann, dass so gravierende Beschuldigungen für viele Menschen kein Grund waren, Moore nicht zu wählen. Er war und blieb Favorit, und die Überraschung, dass er doch nicht gewählt wurde, ist groß. Wie kann das sein? Meine These: So etwas kann nur in einer Umgebung funktionieren, wo sexuelle Gewalt nicht nur implizit, sondern explizit zur Kultur gehört.

Bei meinen Recherchen bin ich auf diesen Artikel gestoßen, der meine These bestätigt:  Weiterlesen


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Sexuelle Gewalt und Männer

„Dunkelfeldstudien zu dem Thema geben an, dass etwa fünf bis 15 Prozent der sexuellen Gewalt gegen Jungen und männliche Jugendliche von Frauen ausgeht.“

Als Erstes mal was ganz Wichtiges: Es gibt nicht „die Männer“ und „die Frauen“. Abgesehen davon, dass es noch eine Menge Menschen gibt, die sich irgendwo dazwischen oder ganz woanders fühlen, gibt es überall „Solche und Solche“. Merkwürdigerweise sind die Klischees „Mann als Vergewaltiger“ und „Frau als Opfer“ in der #MeToo Diskussion der letzen Woche aber noch immer stark präsent. Deswegen hier mal ein paar Informationen von fachlicher Seite, nämlich Thomas Schlingmann von „Tauwetter“.

http://www.sueddeutsche.de/leben/sexueller-missbrauch-viele-maenner-verdraengen-jahrelang-dass-sie-missbraucht-wurden-1.3738041

Das Verdrängen ist übrigens keineswegs männerspezifisch, und es ist auch nicht so, dass Frauen sich lieber oder leichter als Opfer / Betroffene (an)erkennen würden als Männer. Wie groß die Unterschiede wirklich sind zwischen den Geschlechtern, wenn es um die Verarbeitung des Erlebens von oder um das Ausüben von sexueller Gewalt geht, ist noch sehr unklar. Schlingmann meint aber, es gebe sehr wohl Unterschiede.  Weiterlesen


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Kann ein Buch über sexuelle Gewalt unterhaltsam sein?!

Es kann. Indeed. Rowling macht’s möglich; man merkt es gar nicht gleich, dass es eigentlich darum geht: In „Criminal Career“, dem dritten Band der Cormoran-Strike-Serie (unter dem Autoren-Namen „Galbraith“, Titel auf Deutsch: „Die Ernte des Bösen“). Ein realistisches Portrait unserer Gesellschaft und ihres Umgangs mit sexueller Gewalt: Tolerieren, die Opfer verantwortlich machen, ignorieren, die Opfer / Überlebenden bevormunden, Täter schützen bzw. straflos ausgehen lassen: Die ganze Pracht; und trotzdem ist das Buch überhaupt nicht deprimierend.

Wie bekommt Rowling das hin?! Und wenn ich mir Leser-Reaktionen so anschaue (auf „Goodreads“ z.B.) – Begeisterung, allermeist. Einige stört es, dass Rowling das garstige Thema so ausgiebig aufgreift. Die meisten nicht.

Zwei Faktoren sind da hilfreich: Rowling führt eine Person ein, die einigermaßen erfolgreich ihren Opfer-Status überwunden hat, und kämpferisch mit dem Erlebten umgeht. Eine sympathische Person: Die Mitarbeiterin oder Partnerin oder wie auch immer ihr Status sein mag des Detektivs Cormoran Strike, Robin Ellacott. Jung, schön, lebensfroh, freundlich, hilfreich, schlau. Sie hat Selbst-Verteidigung gelernt und wendet das im Buch auch erfolgreich an. Weiterlesen


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Wie wird man / frau zum /zur VergewaltigerIn?

Diese Frage ist ja nicht nur aus moralischen Gründen relevant; sie – so oder so – zu beantworten, kann auch Geld in die Kassen diverser Personen oder Institutionen spülen, die mit Lösungen und Therapie-Verfahren aufwarten; s. das ausgezeichnet finanzierte Projekt „kein Täter werden“, das bloß leider kaum Erfolge aufzuweisen hat.

Ich selbst will mit der Erörterung der Frage kein Geld verdienen, bloß wissen, wem ich besser aus dem Weg gehe, und mich darüber auch mit wichtigen Mitmenschen austauschen. Wie ich auf das unten verlinkte Video gestoßen bin, weiß ich nicht mehr recht; war es ein Kommentar auf der von Emma Watson initiierten Lese-Plattform „my shared shelf“? Jedenfalls hat es mich ins Grübeln gebracht.

Einerseits ist es ja herzerwärmend, wenn da zwei Menschen vor der Kamera stehen und von ihrer Erfahrung berichten – wie sie, jung und unerfahren, in die schreckliche Situation gerieten, Opfer und Vergewaltiger zu werden. Ich fand es mutig, damit an die Öffentlichkeit zu gehen (die beiden haben auch eine Buch über ihre „Aufarbeitung“ geschrieben) Weiterlesen


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#MeToo und das Schweigen der Männer

Weil ich gerne auch mal gute Nachrichten verbreite. Und „danke“ sage an Robert Franken für den Post. Und auch Frauen ermutigen möchte: Habt Mut, lass Euch nicht abschrecken durch den absehbaren Spott, das in die „Hexen“- oder „Zicken“-Ecke gestellt werden: Wir sind nicht allein. Schaut bloß mal auf Twitter oder Facebook unter #Metoo: Da ist vielleicht was los! Und Schweigen und Wegsehen ist allermeist die schlechteste Lösung und tut auch uns selbst weh.

Digitale Tanzformation

kristina-flour-185592 Das Schweigen der Männer (Foto: Kristina Flour bei unsplash.com)

Woody Allen. Roman Polański. Harvey Weinstein. Und kein Ende in Sicht. Jetzt kommt ans Licht, wie ein Hollywood-Produzent jahrzehntelang Frauen sexuell belästigte, bedrängte und vergewaltigte. Und Weinstein ist nur die Spitze der Spitze eines ekelhaften Eisbergs. Unter dem Hashtag #MeToo melden sich viele tausend Frauen* zu Wort und berichten von den schrecklichen Dingen, die ihnen widerfahren sind.

Beziehungsweise: Sie berichten in der Regel gar nicht, sondern schließen sich der Aktion mittels kollektiver Nonmention via Hashtag an. Das ist einerseits ob der schieren Menge an Posts sehr erschreckend, andererseits aber auch kaum greifbar – kann man doch in der Regel nicht hinter die einzelnen „Ich-auchs“ blicken.

Und hier liegt ja durchaus eine Gefahr: Die Erfahrungen werden undifferenziert unter einen Hashtag subsumiert. Dennoch ist das in diesem Fall durchaus legitim, bekommen wir dadurch doch einen Eindruck von der „Alltäglichkeit“ und der schieren Masse…

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