talking about sexual trauma

Our civilizations are traumatized by sexual violence. A poison we should neutralize by talking


3 Kommentare

Astrid Lindgrens Kampf für bessere Kindheiten

Die Spezies Mensch dürfte die einzige sein, deren Individuen Strategien entwickelt haben, sich selbst vor Schmerz zu schützen, indem sie ihre Kinder schädigen. Die generationenweise Schäden und Störungen weitergeben, und gänzlich unangepasstes, destruktives Verhalten, das vielleicht einmal zur Zerstörung der Menschheit führen wird. Siehe die Herren Kim Jong-Un und Trump, zwei Narzissten, von denen der eine glücklicherweise Kontrolle seiner Macht dulden muss.

„Ein Kind, das sich von seinen Eltern nicht geliebt fühlt und das nichts findet, was es lieben kann, oder woher es Liebe bekommt, wächst selbst zu einem unglücklichen und häufig lieblosen Menschen auf, der auf seinem Weg durchs Leben viel Schaden anrichten kann. Das Schicksal der Welt entscheidet sich in den Kinderzimmern. Weiterlesen


Ein Kommentar

Was „Überleben“ (und endlich einfach leben) wirklich bedeutet

Neulich fragte mich mal wieder jemand: „Geht das denn nie vorbei“? Jemand, die mir nahe steht, wohlgemerkt. Sie hatte mich in einer triggernden Situation erlebt, der ich mich nicht rechtzeitig entzogen hatte.

Dochdoch, wenn ich lange genug lebe, wird es vorbei gehen. Wenn ich früher hätte anfangen dürfen, mich mit all dem zu befassen, statt es Jahrzehnte lang verdrängen zu müssen, wäre ich noch weiter als jetzt (und ich bin schon sehr zufrieden). Heilung ist möglich. Aber darum geht es nicht.

Mich wird man nie loswerden, und wenn ich zehnmal endlich ohne mit der Wimper zu zucken einen katholischen Gottesdienst über mich ergehen lassen kann, ohne Angst- oder Heulanfälle zu bekommen (was jetzt nicht wirklich mein vorrangiges Lebensziel ist).

Es ist schließlich noch lange nicht vorbei. Ich zitiere die amerikanische Feministin Leah Lakshmi Pieptzna-Samarasinha, die ihre Kindheit und Jugend so beschreibt: „Ich wußte immer, dass es eine Welt gab, in der alles in Ordnung war; und die Welt, die WIR kannten: Wir Mädchen, die durch den Schulhof gingen und völlig aus unseren Körpern gebeamt waren; in engen Kleidern und Make-Up oder in Hoodies und Schlabber-Look. Wir konnten nirgendwo hingehen, außer endlich großwerden und zum Teufel endlich entkommen. Wenn du es einem Verwandten erzählt hättest, wärest Du angeschrieen worden, hättest Du es jemand anderem erzählt, hätte man dich ignoriert, dann angeschrieen, oder ins Heim geschickt. Wo es weiter passiert wäre, aber schlimmer.“

Wem kommt das nicht bekannt vor? Wer ist sicher, dass es heute GANZ ANDERS wäre? Weiterlesen


Ein Kommentar

Mehr koordinierte Wut, mehr Politik: Das wünsche ich mir für 2017

Unsere „Wutbanken“, wie der Philosoph Peter Sloterdijk das angesammelte Potential von Menschen nennt, die sich gegen Misstände und Unterdrückung wehren möchten, sind gut gefüllt – oder? Oder sind Missbrauchsopfer resigniert, fertig, völlig zurückgezogen, auf Hilfe und Führung wartend?

Viele sind das wohl, machen wir uns nichts vor. Wir leben in einer Umgebung, die dafür sorgt, dass man das Thema sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche; Schweigen und Leiden der Überlebenden, möglichst nicht thematisiert. Sekundäre Viktimisierung droht mit all ihren Folgen; Bestrafung und Beschämung der Opfer: Wer möchte sich dem schon aussetzen? Wir sind Freaks (wörtlich übersetzt: Etwas, was anderen Angst macht).

Trotzdem gibt es viele Orte, an denen man etwas tun kann: Das Thema an die Schule der Kinder, an die Vereine, in denen sie sind, herantragen. Fragen, ob es Schutzkonzepte gibt. Um Präventions-Veranstaltungen bitten (da gibt es genügend Ansprechpartner, die so etwas kompetent anbieten; z.B. Wildwasser und Tauwetter). In der eigenen Familie, im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis wach sein, hinhören, Überlebenden zuhören und sie dadurch unterstützen. Das reicht oft völlig: Bereit sein, hinzusehen und zuzuhören.

Politik ist das noch nicht. Die kann erst kommen, wenn das Sprechen über das Thema  Weiterlesen


Hinterlasse einen Kommentar

Pädophile als „Pflegeväter“ – Senat sträubt sich gegen Aufklärung

„Wir hätten uns mehr Engagement bei der Aufklärung gewünscht“, sagte Teresa Nentwig, die Leiterin der Göttinger Studie zur Causa „Pädophile als Pflegeväter“. Das Göttinger Institut hat Verstrickungen der Berliner Senatsjugendverwaltung zu Pädokriminellen Kreisen  in den 70er Jahren untersucht. Unterlagen zu dem Projekt des Pädagogischen Zentrums Berlin, berichtet Nentwig, seien nur auf Nachfrage zur Verfügung gestellt worden. Der Antrag, die Schutzfrist einer wichtigen Akte zu verkürzen, sei abgelehnt worden. Auch Verbindungen zur Odenwaldschule, in der hunderte von Schülern sexueller Gewalt ausgeliefert waren, wurden bisher nicht näher untersucht.

Aufarbeitung ist die beste Prävention, und solange überall Strukturen geschützt werden, die Missbrauch ermöglichten (und vielleicht noch ermöglichen), sind Bekenntnisse zum Kinderschutz Worthülsen.

Stellungnahme NetzwerkB zum Thema „Pädophile als Pflegeväter“ – Verantwortung des Berliner Senats aufarbeiten

Der Verweis von NetzwerkB auf die geringen Möglichkeiten der Aufarbeitungs-Kommission ist berechtigt: Wie würde ich mich als Opfer des Berliner Senats fühlen (der

Weiterlesen


5 Kommentare

Die Aufarbeitungs-Kommission hat Eigenbedarf an Aufarbeitung

Ich freue mich sehr, dass die Autorin und Publizistin Martha Schalleck sich die Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs genauer angesehen hat, und ihre Bedenken in einem Brief formuliert hat. Dieser ist nachstehend hier zu lesen. Schalleck zitiert u.a. aus den Schriften eines der Mitglieder, Peer Briken, der sich bisher vor allem durch Arbeit mit Tätern ausgezeichnet hat (dass diese wichtig ist, wird nicht in Abrede gestellt).

Ich veröffentlich diesen Brief hier auch, weil ich schon ein diffuses Unbehagen hatte, als ich neugierdehalber in Schriften von Frau Andresen stöberte  (auch Mitglied der Kommission) – ich fand da eine merkwürdige „Vorsicht“ klaren Aussagen gegenüber (ich formuliere zurückhaltend). Scheren im Kopf, von denen ich starke Vermutungen habe, woher sie kommen: Dem Einfluss der „Reformpädagogik“ – ich benutze das Wort ja nur noch in Anführungszeichen (Stichwort Odenwaldschule).
Die Mahnungen des Erziehungswissenschaftlers Micha Brumlik, der schon mehrfach eine Aufarbeitung in seinem eigenen Fach forderte, blieben offenbar bisher erfolglos. Vielleicht trägt ja Schallecks offener Brief dazu bei, diese voranzutreiben.

Bevor man sich als Aufklärer betätigt, sollte man sich die eigenen Verflechtungen mit pädokriminellem Gedanken-Gut ansehen.

Weiter zum offenen Brief:  Weiterlesen


Hinterlasse einen Kommentar

Was wir „Schmuddelkinder“ so leisten

Mal wieder das Thema sekundäre Viktimisierung: Clara Danida erzählt von ihren Erlebnissen als Aktivistin in der SPD, und beschreibt dabei nicht nur den alltäglichen Sexismus, sondern auch, was einer / einem droht, wenn er oder sie es wagt, über sexuelle Gewalterfahrungen zu sprechen.

http://kleinerdrei.org/2016/10/sexismusinparteien-kein-cdu-problem/

Über Sexismus wird immerhin gesprochen. Über Sekundär-Viktimisierung hingegen? Das ist noch gefährlicher. Also wissen die wenigsten auch nur, was der Ausdruck überhaupt bedeutet. Nämlich: Bis zur Unkenntlichkeit mit Projektionen und Vorurteilen überhäuft zu werden, Ängste, Aggressionen, Abwehr auszulösen, nicht mehr ernst genommen und ausgegrenzt zu werden. Sich angreifbar zu machen. Jede Aussage in die Richtung kann gegen Sie verwendet werden. Und wird es irgendwann, wenn es hart auf hart kommt. Wer sexuelle Gewalt erfahren hat, hat in fast allen menschlichen Zivilisationen die Rolle des Schmuddelkinds.

Weiterlesen


Hinterlasse einen Kommentar

Die „Trostfrauen“-Causa in Freiburg

Nein, man mag es einfach nicht, wenn Opfer sexueller Gewalt sich zeigen oder gezeigt werden, oder so unangenehme Vorgänge wie Sex-Sklaverei thematisiert werden. Beispielsweise durch die lebensgroße Bronzestatue einer sitzenden Frau, die eine der 200.000 Frauen symbolisiert, die während des zweiten Weltkriegs nach Japan verschleppt und dort jahrelang zwangsprostituiert und misshandelt wurden. Diplomatische Dramen haben sich wegen dieses Geschenks aus der Freiburger Partnerschaft Su-Won abgespielt – bisher weitgehend unbemerkt im deutschen Südwesten.

Die Statue sollte im Stadtgarten aufgestellt werden, auch als Mahnmal für all die sexuelle Gewalt, die in Kriegen früher und auch heute noch ausgeübt wird. Baden-Württemberg hat 1000 Jesidinnen aufgenommen, die solche Gewalt überlebten. Das führte zu Triumph-Meldungen in Korea und heller Empörung in Japan. Freiburgs Partnerstadt in Japan, Matsuyama, drohte mit dem Aufkündigen der Freundschaft. Daraufhin beschloss die Freiburger Stadtspitze, das Geschenk abzulehnen und nach Korea zurückgehen zu lassen. Man will sich nicht in koreanisch-japanische Angelegenheiten einmischen.

Weiterlesen